Concorde-Absturz vor 15 Jahren
„4590, Sie haben Flammen, Flammen hinter sich“

Der Absturz einer Concorde beim Start in Paris vor 15 Jahren hat das Kapitel ziviler Überschallflug beendet. 113 Menschen verloren bei der Katastrophe ihr Leben. Ein Schock, der Frankreich bis heute bewegt.
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ParisAn diesem Wochenende jährt sich zum 15. Mal der Absturz der Concorde am Pariser Flughafen Charles de Gaulle. 113 Menschen kamen ums Leben: 100 Passagiere, fast alle aus Deutschland, neun Besatzungsmitglieder und vier Menschen in dem Hotel, auf das die Air France-Maschine stürzte. Die Maschine sollte nach New York fliegen, wo die Fluggäste an Bord eines Kreuzfahrtschiffes gehen wollten.

Am 25. Juli um 14:42 und 17 Sekunden gab der Kontrollturm den Start frei für die Air France 4590. Knapp eine Minute später, der schmale Flieger mit der spitzen Nase und den Deltaflügeln hatte noch nicht abgehoben, kam die Schreckensnachricht: „4590, Sie haben Flammen, Flammen hinter sich.“ Lakonisch bestätigte der Kapitän: „Empfangen.“ Der sehr erfahrene Christian Marty kann den Start nicht mehr abbrechen, wegen seiner hohen Start- und Landegeschwindigkeit brauchte das erste zivile Überschallflugzeug eine sehr lange Piste.

Marty blieben aber statt der nötigen 3,5 km nur noch knapp zwei Kilometer, deshalb entschied er sich, den Start zu versuchen. Siebzehn Sekunden später meldet der Tower erneut: „Sie haben starke Flammen am Heck.“ Der Kapitän bestätigt wieder. Der Tower gibt ihm die Landebahn frei, um zurückzukehren. Ein paar Sekunden bleibt unklar, was Marty versuchen wird, der Chef der Feuerwehr schaltet sich ein und meint, AF 4590 werde umdrehen, dann ist Marty wieder zu hören – zum letzten Mal: „Negativ, versuchen Le Bourg…“

Die Verbindung wird unterbrochen, der Kapitän wollte den direkt nebenan gelegenen Flughafen von Le Bourget erreichen. Doch bis dahin schafft die mittlerweile lichterloh brennende Concorde es nicht mehr. Marty gelingt es noch, die Maschine vom Zentrum des Städtchens Gonesse wegzusteuern, sie stürzt auf ein Hotel und explodiert. Alle Insassen sterben.

Während die Concorde startete, landete das Flugzeug des damaligen Staatspräsidenten Jacques Chirac. Deswegen gab es kurzfristig die Vermutung, ein Terroranschlag könnte stattgefunden haben. Die ausführliche Untersuchung gab aber einem Mechaniker der Continental-Maschine die Schuld, die kurz vor der Concorde von derselben Piste gestartet war. Sie verlor einen Metallstreifen, der sollte den vorderen rechten Reifen von AF 4590 zerstört haben. Dessen Fetzen hätten die Flügelstruktur beschädigt, auf der linken Seite durch einen kinetischen Effekt zum Austreten von großen Mengen Treibstoff geführt, rund 75 Liter pro Sekunde, der sich am Motor entzündete. Die Motoren eins und zwei verloren rasch an Leistung, das Flugzeug konnte den Start nicht vollenden und hob nur wenig vom Boden ab.

Später gab es Zweifel an dieser Theorie: Mehrere Zeugen sagten aus, die Motoren hätten bereits gebrannt, bevor die Concorde über den Metallstreifen fuhr. Brandspuren seien vor der Stelle festgestellt worden, an der das Metallstück gefunden wurde. Das Urteil gegen den Mechaniker wurde aufgehoben. Es wurde bekannt, dass in 57 Fällen Concorde-Reifen platzten und die Tragflächen beschädigten, ohne dass die Hersteller etwas Wirksames unternahmen.

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Kommerziell erfolgloses Wahrzeichen

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