"Cool-Sein ist das Höchste": 18-Jähriger von Mitschülern gequält worden

"Cool-Sein ist das Höchste"
18-Jähriger von Mitschülern gequält worden

Vier Schüler einer Berufsschule in Hildesheim (Niedersachsen) haben einen 18 Jahre alten Klassenkameraden unter den Augen der Mitschüler monatelang gequält und dabei nackt gefilmt.

HB HILDESHEIM. Den Ermittlungen zufolge verprügelten die 17 und 18 Jahre alten Schüler ihr Opfer. Der junge Mann musste sich ausziehen und seinen mit Blutergüssen übersäten Körper zeigen. Dabei lief eine Videokamera.

„Es besteht der Verdacht, dass die mutmaßlichen Täter die Aufnahmen im Internet verkaufen wollten“, sagte der Sprecher der Hildesheimer Staatsanwaltschaft, Bernd Seemann, am Dienstag. Kultusminister Bernd Busemann (CDU) zeigte sich „schockiert“.

Zwei der Verdächtigen kamen in Untersuchungshaft, die beiden anderen sollten ebenfalls einem Haftrichter vorgeführt werden. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung ein. Bei den verdächtigen Schülern handelt es sich um einen 18-jährigen Russlanddeutschen sowie drei 17-Jährige aus Deutschland, Kasachstan und der Türkei. Sie seien vermutlich die Rädelsführer einer Bande gewesen, sagte Seemann.

Die Polizei hatte am Montag die ganze Klasse verhört, berichteten die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ und die „Hildesheimer Allgemeine Zeitung“. Die Klasse gilt als verschworene Gemeinschaft. Ein Schüler aus einer Parallelklasse brach das Schweigen.

Die Schüler sind Teilnehmer eines einjährigen Berufsvorbereitungsjahres. Die Jugendlichen, die meist keinen Schulabschluss haben, erhalten dabei Praxisunterricht.

Gewalt an Schulen wird aus Sicht des Kriminologen Christian Pfeiffer oft durch eine „Macho-Kultur“, übertriebenen Medienkonsum und Gewalterlebnisse in Familien ausgelöst. Der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen sagte, in einer Jungen-Klasse wie in dieser Berufsschule könne sich die „Macho- Kultur“ durchsetzen. „Cool-Sein ist das Höchste, als Mann darf man kein Mitleid zeigen ... Zum Direktor zu rennen, das wäre weibisch.“ Eine weitere Ursache sieht er im Konsum von Gewalt- und Horrorvideos. „In keiner Schülergruppe haben wir eine so massive Medien- Verwahrlosung wie bei Hauptschülern und Schülern in Berufsvorbereitungsjahren.“

In der vergangenen Woche hatten Schüler zwei Lehrer im baden- württembergischen Lörrach mit Schlägen und Tritten verletzt. In den vergangenen Jahren hatten Fälle von „Geburtstagsprügeln“ an einer Schule in Stadthagen (Niedersachsen) Aufsehen erregt: Schüler hatten Klassenkameraden an deren Geburtstagen zusammengeschlagen. Damals ermittelten die Behörden gegen insgesamt 65 Verdächtige.

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