„Costa Concordia“: Aufziehender Sturm gefährdet Bergungsarbeiten

„Costa Concordia“
Aufziehender Sturm gefährdet Bergungsarbeiten

Den Helfern läuft die Zeit davon: Auf das Wrack der „Costa Concordia“ kommt ein Unwetter zu, angeblich bleiben für Tauchgänge noch maximal 24 Stunden.
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RomDen Rettungskräften bleiben nach Angaben des Einsatzleiters der Feuerwehrtaucher noch maximal 24 Stunden für die Suche nach Überlebenden in der vor der italienischen Küste havarierten „Costa Concordia“. „Es gibt ein Zeitfenster von zwölf bis 24 Stunden, um die Operation abzuschließen“, sagte Modesto Dilda am Donnerstagmorgen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Taucher durchsuchen das das Schiffswrack nach Vermissten. Meteorologen hatten stärkeren Wind vorausgesagt, der dazu führen könnte, dass das am Freitag auf einen Felsen aufgelaufene Schiff weiter in die Tiefe gerissen wird. Auch Italiens Umweltminister Corrado Clini befürchtet, dass eine Sturmflut das Schiff untergehen lassen könnte. Es gebe in der Nähe des Schiffes im Meer einen Abhang, der bis zur Tiefe von 50 bis 90 Metern führe, sagte Clini am Mittwoch im Parlament. Ein aktuelles Bild der Lage geben Live-Cams aus der Stadt und vom Hafen aus.

Ein Sprecher der Feuerwehr widersprach umgehend den Äußerungen des Einsatzleiters der Taucher. Für die Sucharbeiten sei keine Frist gesetzt worden, sagte der Sprecher. Noch sei unklar, wie sich die Situation weiter entwickele.

Die Suche nach Vermissten wurde daher am sechsten Tag nach dem Kentern des Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“ fortgesetzt. Das teilte ein Sprecher der Rettungsmannschaften am Donnerstag auf der Insel Giglio der Nachrichtenagentur dpa mit. Die Suche war am Vortag unterbrochen worden. „Das Schiff liegt weiterhin in unsicherer Lage in einer Untiefe“, erklärte Luca Cari der dpa. Die Taucher müssten deshalb vorsichtig vorgehen. „Jede Verlagerung würde Gefahr bedeuten, und wir müssten die Operationen erneut einstellen.“

Nach italienischen Angaben vom Mittwochabend wurden noch 21 Menschen vermisst. Eine als vermisst geltende Deutsche hat sich nach Angaben des Zivilschutzes der Provinz Grosseto vom Mittwoch inzwischen gemeldet. Immer noch gelten zwölf Deutsche als vermisst. Bisher hat das Unglück elf Tote gefordert.

Das 290 Meter lange Schiff mit mehr als 4200 Menschen an Bord hatte am Freitagabend nach der Kursänderung des Kapitäns einen Felsen vor der Insel Giglio gerammt und war leckgeschlagen. Das Schiff liegt derzeit in starker Schräglage vor der Insel.

Unterdessen ist der beschuldigte und in seiner neapolitanischen Heimat unter Hausarrest stehende Kapitän Francesco Schettino daheim von Freunden verteidigt worden. „Nicht aufgeben, Kapitän“, stand auf einem Begrüßungsplakat für den 52-jährigen, wie Aufnahmen aus dem Neapel-Stadtteil Meta di Sorrento zeigten. Es müsse Schluss sein damit, ihn an den Pranger zu stellen. Schettino wird unter anderem der mehrfachen fahrlässigen Tötung und der Havarie beschuldigt. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft.

Schettino habe den Ermittlern auch von einer geheimnisvollen jungen Moldawierin berichtet, die während des Schiffbruchs am Eingang der Kommandobrücke aufgetaucht sei, berichtete die Turiner Zeitung „La Stampa“. Offenbar sei sie dazu von einem anderen Offizier eingeladen worden. Weil sie nicht im Verzeichnis der Passagiere stehe, werde die junge Frau von den Ermittlern gesucht. Diese gingen davon aus, dass mehrere Personen als blinde Passagiere an Bord gewesen sein könnten.

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  • Ein Evakuierungsteam muss am Bord sein

    Das Schiffsunglück der Costa Concordia zeigt, dass ein Evakuierungsteam für jedes Passagierschiff nötig ist, um im Notfall eine geordnete Evakuierung durchführen zu können. Das Evakuierungsteam erhöht die Sicherheit auf einem derartigen großen Schiff wesentlich. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Evakuierungsteam aus mind. 2 bis 12 Personen besteht, je nach Größe des Passagierschiffes. Das Team ist speziell darauf geschult die Beschädigung eines Schiffes genau zu definieren und was zu tun ist.

    Vom Evakuierungsteam erhält die gesamte Bordmannschaft sowie der Kapitän genaue Anweisungen die zu befolgen sind.

    Der Kapitän untersteht bei einer Havarie dem Kommandanten des Evakuierungsteams. Sie sind ein eingespieltes Team, wo jeder Handgriff aus dem Schlaf heraus sitzt. Damit werden fehlerhaftes Handel und falsche Entscheidungen verhindert. Die ständig wechselnde Schiffscrew kann nicht durch eine Person, den Kapitän, angeführt werden um 4200 Menschen zu evakuieren. Jeder Kapitän wird in so einem Fall sehr schnell an die Grenzen seines Handelns geführt.

    In der Einsparung eines Rettungsteams sehe ich einen Fehler der Redereien. Auf Kosten der Sicherheit darf nicht gespart werden.

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