Costa Concordia Berufungsprozess gegen Unglücks-Kapitän beginnt

Vor mehr als fünf Jahren kenterte die Costa Concordia vor der italienischen Insel Giglio. Der Kapitän wurde zu 16 Jahren Haft verurteilt – ist allerdings noch auf freiem Fuß. Jetzt startet der Berufungsprozess.
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Der Kapitän der Costa Concordia wurde wegen fahrlässiger Tötung in erster Instanz zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt. Jetzt beginnt der Berufungsprozess. Quelle: AFP
Francesco Schettino

Der Kapitän der Costa Concordia wurde wegen fahrlässiger Tötung in erster Instanz zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt. Jetzt beginnt der Berufungsprozess.

(Foto: AFP)

RomVor dem höchsten Gericht Italiens hat der Berufungsprozess gegen den Ex-Kapitän des havarierten Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“ begonnen. Mehr als fünf Jahre nach dem Kentern des Luxusliners vor der toskanischen Küste überprüfen die Richter des Obersten Kassationsgerichtshofs in Rom das Urteil gegen Francesco Schettino vom Februar 2015.

Schettino, der am Donnerstag nicht im Gerichtssaal anwesend war, war wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt worden. Er hatte das Schiff mit mehr als 4000 Passagieren zu nah an eine Insel gesteuert, 32 Menschen starben. Unter den Todesopfern waren 12 Deutsche.

Gegen das Urteil hatten sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung Berufung eingelegt. Sollten die Richter Rechtsfehler in dem Fall feststellen, könnte neu verhandelt werden. Einer von Schettinos Anwälten sagte dem Sender Sky TG24 am Donnerstag, man sei zuversichtlich, angesichts „zahlreicher Verstöße“.

Ein einziger großer Wasserschaden
The Costa Concordia cruise liner is pictured from a ferry as it emerges during the refloating operation at Giglio harbour
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Die Costa Concordia ist geborgen und liegt stabilisiert im Hafen von Giglio. Nach einem waghalsigen Manöver des Kapitäns Francesco Schettino war das Kreuzfahrtschiff im Januar 2012 gekentert. 32 Passagiere starben bei dem Unglück. Nach einer langwierigen und kostspieligen Bergungsaktion des Schiffes können Spezialisten nun erstmals das Innere der Costa Concordia inspizieren. Der Luxusliner ist nunmehr ein einziger großer Wasserschaden.

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Decken- und Wandverkleidung konnten den Wassermassen nicht standhalten – nur die Aufzugtüren zeugen noch von der Normalität vergangener Tage.

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Vor zweieinhalb Jahren genossen die Passagiere des Luxusliners das helle Panoramadach und flanierten entlang der Galerien – nun ist der Putz vermodert, die Geländer sind morsch.

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Die Kommandobrücke der Costa Concordia: Traf Francesco Schettino hier die verhängnisvolle Entscheidung, sehr nah an der Insel Giglio entlang zu fahren? Das Manöver endete auf einem Felsen, der ein 70 Meter langes Loch ins Schiff riss.

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Das Gepäck einiger Reisende: Was als traumhafte Urlaubsreise begann, endete im Grauen – und bedeutete für viele einen persönlichen Verlust. Wer den Unfall unverletzt überstand, musste hingegen Ersatz für Koffer, Kleidung und Accessoires anschaffen.

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„Attenzione“ warnt ein Hinweisschild neben den Druckknöpfen für die Fahrstühle an Deck der Costa Concordia. Doch auf diesen Unglücksfall konnte kein Schild hinweisen. Immerhin konnten die meisten Passagiere mit den Rettungsbooten in Sicherheit gebracht werden.

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Der Maschinenraum der Costa Concordia: Verrostet, vergammelt und nicht mehr funktionsfähig. Erst anderthalb Jahre nach dem Unglück konnte das Schiff aufgerichtet und stabilisiert werden.

Schettino ist nach wie vor auf freiem Fuß. Der Prozess vor dem Kassationsgericht ist die letzte Instanz in dem Verfahren. Es ist das höchste Gericht Italiens und überprüft Urteile der Unterinstanzen. Laut Nachrichtenagentur Ansa könnte ein Urteil im Mai gesprochen werden.

Der Kapitän hatte die „Costa Concordia“ nach dem Unglück in einem Rettungsboot verlassen, obwohl noch Menschen an Bord waren. Er begründete das damit, dass er in das Boot gefallen sei. Aus einem Funkgespräch mit dem wütenden Leiter der Küstenwache ging später hervor, dass er sich anschließend geweigert hatte, auf das sinkende Schiff zurückzukehren und sich seiner Verantwortung zu stellen. In Italien wurde Schettino auch als „Kapitän Feigling“ verspottet.

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  • dpa
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