Costa Concordia

Concordia-Kapitän geht unter die Autoren

Geld statt Gefängnis: Francesco Schettino schlachtet seine Bekanntheit aus. Der verurteilte Unglückskapitän der Costa Concordia schreibt ein Buch – und darf weiterhin Tantiemen einsammeln, statt hinter Gittern zu sitzen.
1 Kommentar
Der Kapitän der Costa Concordia: Francesco Schettino steht unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung vor Gericht. Quelle: dpa
Francesco Schettino

Der Kapitän der Costa Concordia: Francesco Schettino steht unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung vor Gericht.

(Foto: dpa)

Mailand/DüsseldorfDie Hinterbliebenen des Costa-Concordia-Unfalls von 2012 dürfte es kaum erfreuen. Ausgerechnet ihnen widmet der Unglückskapitän Francesco Schettino sein jüngstes Werk. Dabei war er es, der mit seinem riskanten Manöver das Kreuzfahrtschiff vor der Insel Giglio auflaufen ließ und es dann vor den letzten Passagieren verließ.

„Ihnen schulde ich mehr als jedem anderen die Wahrheit. Dieses Buch ist eine Antwort auf die viele Fragen, die noch offen geblieben sind“, schreibt Schettino. Auf 600 Seiten hat der Süditaliener seine Sicht der Dinge dargestellt.

Das Buch, geschrieben von der RAI-Journalistin Vittoriana Abate als Co-Autorin erzählt die Biografie des Kapitäns und seine Erinnerungen rund um die Unglücksnacht, in der 32 Menschen ihren Tod gefunden haben.

Ein einziger großer Wasserschaden
The Costa Concordia cruise liner is pictured from a ferry as it emerges during the refloating operation at Giglio harbour
1 von 8

Die Costa Concordia ist geborgen und liegt stabilisiert im Hafen von Giglio. Nach einem waghalsigen Manöver des Kapitäns Francesco Schettino war das Kreuzfahrtschiff im Januar 2012 gekentert. 32 Passagiere starben bei dem Unglück. Nach einer langwierigen und kostspieligen Bergungsaktion des Schiffes können Spezialisten nun erstmals das Innere der Costa Concordia inspizieren. Der Luxusliner ist nunmehr ein einziger großer Wasserschaden.

Handout picture shows an area inside the Costa Concordia cruise liner at Giglio Island
2 von 8

Decken- und Wandverkleidung konnten den Wassermassen nicht standhalten – nur die Aufzugtüren zeugen noch von der Normalität vergangener Tage.

Handout picture shows an area inside the Costa Concordia cruise liner at Giglio Island
3 von 8

Vor zweieinhalb Jahren genossen die Passagiere des Luxusliners das helle Panoramadach und flanierten entlang der Galerien – nun ist der Putz vermodert, die Geländer sind morsch.

Handout picture shows an area inside the Costa Concordia cruise liner at Giglio Island
4 von 8

Die Kommandobrücke der Costa Concordia: Traf Francesco Schettino hier die verhängnisvolle Entscheidung, sehr nah an der Insel Giglio entlang zu fahren? Das Manöver endete auf einem Felsen, der ein 70 Meter langes Loch ins Schiff riss.

Handout picture shows an area inside the Costa Concordia cruise liner at Giglio Island
5 von 8

Das Gepäck einiger Reisende: Was als traumhafte Urlaubsreise begann, endete im Grauen – und bedeutete für viele einen persönlichen Verlust. Wer den Unfall unverletzt überstand, musste hingegen Ersatz für Koffer, Kleidung und Accessoires anschaffen.

Handout picture shows an area inside the Costa Concordia cruise liner at Giglio Island
6 von 8

„Attenzione“ warnt ein Hinweisschild neben den Druckknöpfen für die Fahrstühle an Deck der Costa Concordia. Doch auf diesen Unglücksfall konnte kein Schild hinweisen. Immerhin konnten die meisten Passagiere mit den Rettungsbooten in Sicherheit gebracht werden.

Handout picture shows an area inside the Costa Concordia cruise liner at Giglio Island
7 von 8

Der Maschinenraum der Costa Concordia: Verrostet, vergammelt und nicht mehr funktionsfähig. Erst anderthalb Jahre nach dem Unglück konnte das Schiff aufgerichtet und stabilisiert werden.

Als Ort für die Buchvorstellung hat er sich einen sicheren Ort ausgesucht: Sein Heimatstädtchen Meta di Sorrento in der Nähe Neapels. Dort haben die Menschen auch nach dem Unglück weiter zu ihm gehalten.
Im Februar ist Schettino zu 16 Jahren Haft zu Ende verurteilt worden. Doch er ist noch weiter auf freiem Fuß.

Schettinos Anwälte hatten Berufung eingelegt, weshalb er bis zu einem endgültigen Schuldspruch frei bleiben könnte. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits vor dem Urteil gegen Schettino Haft beantragt, das hatte das Gericht in Grosseto jedoch abgelehnt.

Die Anklage reichte deshalb den erneuten Antrag vor dem Gericht in Florenz ein und hatte ihn mit Fluchtgefahr begründet. Nun bliebe ihr noch der Gang vor Italiens höchstes Gericht in Rom.

Das Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ hatte mit mehr als 4200 Menschen an Bord im Januar 2012 vor der Mittelmeer-Insel Giglio einen Felsen gerammt und war gekentert. Insgesamt 32 Menschen starben, darunter auch zwölf Deutsche.

Geld statt Gefängnis
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Costa Concordia - Concordia-Kapitän geht unter die Autoren

1 Kommentare zu "Costa Concordia: Concordia-Kapitän geht unter die Autoren"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Solche Menschen ohne jegliches Schamgefühl und ohne die Fähigkeit, auch nur leidlich kritisch auf sich selbt zu blicken, wird es immer geben.
    Noch schlimmer finde ich allerdings die Vollpfosten, die aus lauter Sensationsgier dieses Buch dann auch noch kaufen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%