„Costa Concordia“
Unglückskapitän bei Beweissichtung

Die Havarie der „Costa Concordia“ beschäftigt wieder die Justiz. Am Montag begann in Grosseto die Beweissichtung. Mit dabei: Unglückskapitän Francesco Schettino. Der steht nach wie vor im Fokus der Ermittler.
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GrossetoNach monatelanger Pause kommt die juristische Aufarbeitung der Havarie des Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ voran. Unglückskapitän Francesco Schettino (52) erschien am Montag zum sogenannten Beweissicherungstermin in Grosseto. Schettino war dabei erstmals seit der Unglücksnacht vor neun Monaten mit Passagieren konfrontiert. Insgesamt strömten Hunderte von Anwälten, Gutachtern und Vertretern von Zivilklägern zu dem Termin zusammen.

Mit der mehrtägigen Anhörung wird der Prozess zu dem Unglück vor der toskanischen Insel Giglio mit 32 Toten vorbereitet. Die Beweisaufnahme findet in einem Theater hinter verschlossenen Türen statt. Die Straßen rund um das Gebäude waren aus Sicherheitsgründen abgeriegelt. Schettino kam durch einen Nebeneingang in das Theater.

Es geht in Grosseto um die Auswertung der Blackbox, auf der Daten und die Kommunikation von der Brücke des Kreuzfahrtschiffes gespeichert wurden, sowie um die Ergebnisse eines umfangreichen Gutachtens. Der Termin war im Juli vertagt worden. Die vier bestellten Fachleute brauchten weit mehr Zeit, als anfangs erwartet, um die Daten der Blackbox zu analysieren. Außerdem mussten sie Dutzende von Fragen der Ermittler beantworten.

Schettinos Anwalt Bruno Leporatti erwirkte am Montagmittag mit Anträgen zunächst eine Unterbrechung der Sitzung. Er lenkte das Augenmerk auf einen indonesischen Steuermann, der Anweisungen des Kapitäns während der kritischen Manöver vor neun Monaten nicht verstanden haben soll.

Die „Costa Concordia“ war Mitte Januar zu nahe an die Insel Giglio herangefahren, hatte einen Felsen gestreift und war gekentert. Unter den 32 Toten des Unfalls waren auch 12 Deutsche. Noch immer sind zwei Leichen nicht geborgen. Mit einem Prozess gegen Schettino und andere führende Mitglieder der Besatzung und der Reederei Costa Crociere ist frühestens im kommenden Jahr zu rechnen.

Schettino und die Reederei haben sich wiederholt gegenseitig die Verantwortung zugeschoben. Der 52-Jährige hatte kürzlich angekündigt, gegen seine Entlassung aus dem Job im Juli gerichtlich vorzugehen. Er habe sich korrekt verhalten. Die Ermittler beschuldigen ihn jedoch schwer.

Dem Ex-Kapitän werden unter anderem mehrfache fahrlässige Tötung, Havarie und Verlassen des Kreuzfahrtschiffes während der nächtlichen Evakuierung vorgeworfen. In einem Fernsehinterview hatte Schettino im Juli die Havarie einen „banalen Unfall“ genannt, der fatal verlaufen sei.

Das Gutachten, um das es jetzt in der Anhörung geht, spricht von Verständigungsproblemen auf der Brücke und von Verstößen gegen Sicherheitsnormen auf dem Schiff. Es wurde in Teilen schon vorab bekannt und listet auch Leichtsinn und eine ungenügend vorbereitete Schiffsmannschaft als Mängel auf. Dafür wäre auch die Reederei verantwortlich.

Die Anhörung in Grosseto dürfte mindestens bis zu diesem Mittwoch dauern, vielleicht aber auch noch mehrere Tage länger. Zum Auftakt am Montag sollten auch die von der zuständigen Ermittlungsrichterin Valeria Montesarchio bestellten vier Sachverständigen zu Wort kommen.

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