Costa Concordia
Vorwürfe gegen Kapitän Schettino werden schärfer

Der verantwortliche Hafen-Generalkommandant glaubt, der Kapitän des Kreuzfahrtschiffs hätte mit einem früheren Alarm Tote verhindern können. Zudem war dessen riskante Fahrtroute laut Reederei nicht autorisiert.
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Giglio/RomDer Kapitän der „Costa Concordia“ gerät immer mehr unter Druck: Die Verantwortung für den Schiffbruch liege „mit Sicherheit“ bei Francesco Schettino, sagte der Generalkommandant des zuständigen Hafenamtes, Admiral Marco Brusco, am Donnerstag in einer Anhörung des Senats in Rom. Bei einem rechtzeitigen Alarm hätte es wahrscheinlich keine Toten gegeben. Schettino habe bei der Havarie vor zwei Wochen eine „kostbare Stunde“ für die Rettung der etwa 4200 Passagiere und Crewmitglieder verstreichen lassen.

Auch die Costa-Reederei widersprach Schettino, der gesagt hatte, ein Manager habe die Unglücks-Route nahe der Insel Giglio verlangt. „Dieses Manöver war nicht autorisiert. Wir waren darüber nicht informiert“, hatte Costa-Chef Pierluigi Foschi im Senat erklärt. Schettino habe das allein entschieden. Der Costa-Manager Roberto Ferrarini gab an, Schettino habe ihn gebeten, eine gemeinsame Version für den Ablauf der Ereignisse den Behörden gegenüber abzustimmen. Das habe er abgelehnt. Schettino habe angeben wollen, dass das Schiff nach einem Stromausfall auf Grund gelaufen sei, erklärte Ferrarini.

Die Ermittlungsrichterin legte in dem Beweissicherungsverfahren eine erste Anhörung auf den 3. März - vermutlich ist Schettino auch dabei. Wegen des erwarteten Andrangs wird ein Theater in Grosseto der Schauplatz für den Termin sein, teilte Valeria Montescarchio mit. Dabei dürfte es vor allem um die Blackbox gehen, die auch die Kommunikation auf der Kommandobrücke am Abend der Havarie vom 13. Januar aufgezeichnet hat.

An dem Wrack ging die Suche nach den Vermissten am Donnerstag weiter. 16 Tote sind bereits geborgen. Laut Auswärtigem Amt sind drei Deutsche identifiziert. Neun Bundesbürger gelten noch als vermisst.

Verrottende organische Abfälle und Chemikalien an Bord des 290 Meter langen Schiffes seien eine Gesundheitsgefahr für die Taucher, sagte der Krisenstabsleiter Franco Gabrielli. Mögliche Infektionen seien ein Problem. Die toskanische Umweltbehörde Arpat registrierte im Wasser rund um das Schiff eine als hoch eingeschätzte Konzentration von Tensiden, also Chemikalien aus Wasch- und Reinigungsmitteln. Das Gesundheitsamt der Toskana forderte den Zivilschutz auf, Taucher bei den Bergungsarbeiten von stark verseuchten Bereichen des Schiffes fernzuhalten.

Auf Giglio laufen die Vorarbeiten für das Abpumpen des Öls aus der „Costa Concordia“ auf Hochtouren. Die Bergung des giftigen Schweröls aus den Tanks kann voraussichtlich nicht vor diesem Samstag beginnen. Danach dürfte es rund vier Wochen dauern, bis die etwa 2300 Tonnen Treibstoff entsorgt sind.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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