Cybercrime-Fahnder im Interview
„Auch die Täter im Darknet machen Fehler “

Heiko Löhr ist beim BKA dem Milliardengeschäft auf der dunklen Seite des Internets auf der Spur. Im Interview erklärt der Cybercrime-Fahnder, warum die Waffenhändler im Darknet AGBs haben – und wo sie verwundbar sind.
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Heiko Löhr ist beim Bundeskriminalamt (BKA) der Mann für die besonders schweren Fälle. Seit 26 Jahren jagt der Kriminalkommissar Verbrecher. Er war Leiter der Projektgruppe Fußball-WM 2006, nahm es als stellvertretender Referatsleiter mit Tätern der „schweren und organisierten Kriminalität“ auf. Inzwischen leitet er das Referat SO 41 „Lage und Analyse Cybercrime“ der Gruppe „Cybercrime“ und ist stellvertretender Leiter der Gruppe „Cybercrime“.

Herr Löhr, Ihr Job ist es, in menschliche Abgründe zu blicken. Ihre Ermittlergruppe beim Bundeskriminalamt durchforstet täglich das Darknet. Neben vielen Möchtegern-Kriminellen stoßen Sie dort auf Drogendealer, Waffenhändler und Anbieter von Kinderpornografie. Warum haben Sie sich diesen Arbeitsbereich ausgesucht?
Wer gegen solche Straftäter ermittelt, muss sich morgens auf dem Weg zur Arbeit nicht fragen, ob sein Beruf Sinn macht. Auch im Darknet darf es keinen strafverfolgungsfreien Raum geben. Nehmen Sie den Bereich Kinderpornografie. Vor den Kolleginnen und Kollegen, die dort arbeiten, habe ich höchsten Respekt. Alle Beschäftigten haben sich freiwillig gemeldet. Niemand wird bei uns zu dieser Aufgabe gezwungen.

In den Fokus der Öffentlichkeit geriet das Darknet zuletzt, weil der Amokläufer von München seine Mordwaffe und die Munition dazu dort gekauft hatte. Wie groß ist das Problem der Waffenhändler im Darknet?
Belastbare Statistiken gibt es nicht. Wir ermitteln derzeit in 85 Verfahren im Zusammenhang mit illegalem Waffenhandel.

Mit welchen Tätern bekommen Sie es dort zu tun?
Täter, die Straftaten im Darknet begehen, kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Überwiegend sind sie männlich, zwischen 23 und 35 Jahren alt…

…und Computer-Nerds.
Nicht unbedingt. Die illegalen Marktplätze im Darknet sind sehr nutzerfreundlich gestaltet. Der „digitale Jedermann“ kann hier illegale Waren anbieten und bestellen. Es braucht keine vertieften IT-Kenntnisse.

Eine vollautomatische Kriegswaffe zu bestellen, ist dank Darknet also ein Kinderspiel?
Nein. Im Darknet werden viele Dinge nur zum Schein angeboten. Das Darknet ist ja gerade auf Anonymität angelegt. Wenn ich dort etwas bestelle und bezahle und ich erhalte die Ware nicht, habe ich nur sehr begrenzte Möglichkeiten herauszufinden, wer mich geprellt hat.

Verbrecher betrügen sich im Darknet also gegenseitig?
Ja, die Anonymität lockt auch viele Betrüger an. Naturgemäß erstatten Betrogene gerade in diesen Sachverhalten keine Anzeige.

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  • "Sonst verfallen die Rechte, die auch der Einzelne in den
    R e c h t s s t a a t e n heute..."

    Und:
    "dass z.B. „Pokémon Go“ gerade i n Russland und China verboten ist..."

  • @Herr carlos santos, 05.08.2016, 15:08 Uhr

    "NICHTS aber GAR NICHTS bleibt im Internet unerkannt von den Bewacher des Internets !!!"

    Und wenn schon. Lassen Sie die "Bewacher" doch, wenn’s ihnen Spaß macht.

    Hauptsache, die können mit ihren Erkenntnissen nicht wirklich etwas anfangen, jedenfalls solange keine berechtigten Interessen der Allgemeinheit berührt sind (also im Falle von Kriminalität).

    Und wirklich kennen tun die sowieso keinen von uns, ganz egal welche und wieviele Quantilliarden an Daten sie abfangen.

    Wirklich wichtig ist nur, dass wir – damit meine ich alle Bürger, die in Staaten leben, in denen (noch?) so was wie eine zumindest einigermaßen funktionierende Rechtsordnung herrscht (in Nordkorea oder Russland könnte ich das hier jedenfalls nicht ohne weiteres posten) - nicht zulassen, dass diese Daten gegen uns verwendet werden können.

    Das ist unsere eigene Verantwortung: Unsere Rechte gerade in solchen Dingen - die das Internet betreffen, meine ich - wenn nötig auch dann durchzusetzen, wenn dies mit etwas Mühe verbunden ist, statt uns etwas „gefallen“ zu lassen, sei es aus Bequemlichkeit oder Ängstlichkeit oder unter sonstwelchen Vorwänden.

    Wer nicht weiterkommt, kann sich immer Hilfe suchen (und findet sie dann auch).

    Die immer noch weitgehend gegebene Meinungs- und Pressefreiheit in den sogenannten Rechtsstaaten (s.o.) ist ebenfalls ein starkes Pfund, das man unbedingt für Sinnvolleres nutzen sollte als nur dazu, in den sozialen Medien „abzulästern“.

    Sonst verfallen die Rechte, die auch der Einzelne in den heute noch relativ problemlos durchsetzen kann irgendwann.

    Unsere wahren Gegner sind nicht irgendwelche IT-Unternehmen, sondern autoritär geführte Nicht-Rechtsstaaten, bzw. deren Regime. Es ist ganz sicher kein Zufall, dass z.B. „Pokémon Go“ gerade Russland und China verboten ist. Da haben die Machthaber natürlich Angst, dass sie am Ende selber überwacht werden könnten.

  • Heiko Löhr ist beim BKA dem Milliardengeschäft auf der dunklen Seite des Internets auf der Spur. Im Interview erklärt der Cybercrime-Fahnder, warum die Waffenhändler im Darknet AGBs haben – und wo sie verwundbar sind.

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    NICHTS aber GAR NICHTS bleibt im Internet unerkannt von den Bewacher des Internets !!!

    NUR will oder wollen die Beobachter im Internet nicht immer zuschlagen...WEIL ES NICHT RENTABEL IST FÜR DEN STAAT !!!

    ABER...wer glaubt dass man im Internet unbeobachtet bleibt oder ist...verkennt dass man beim eingeben bereits erfasst ist...REGIONAL SOFORT VERFOLGBAR !!!


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