Dacheinstürze
Warum Schnee so schwer ist

Die Lage in den von Schneemassen besonders betroffenen Gebieten Ost- und Südbayerns ist nach Einschätzung eines Statik-Experten durch den so genannten Gletschereffekt verschärft worden. Dieser erhöht das Gewicht des Schnees um ein Vielfaches.

HB NÜRNBERG Die immer wieder kurz durch Tauwetter unterbrochene, fast zweimonatige Frostphase habe auf vielen Hallendächern schwere Eisschichten entstehen lassen, erläuterte der Leiter des Bereichs Prüfstatik bei der Landesgewerbeanstalt (LGA) in Nürnberg, Thomas Weierganz, am Donnerstag. Die LGA prüft unter anderem die Statik neuer oder umgebauter Gebäude.

„Diese ungewöhnliche Wetterlage hat auf vielen Dächern zu einer Art Gletscherbildung geführt“, betonte der Fachmann. Dadurch sei auf Dächern, die in normalen Wintern nur mit lockerem Schnee belastet seien, eine kompakte und schwere Eisschicht entstanden. „Da kommt schnell mal eine Belastung von 100 Kilogramm pro Quadratmeter Dachfläche zusammen. Trotz der seit zwei Monaten ungewöhnlichen Wetterlage sei der Effekt für Fachleute aber nicht ganz neu. „Das haben wir in bestimmten Gebieten so alle drei bis fünf Jahre.“

Der Einsturz der Eislaufhalle in Bad Reichenhall habe allerdings zu einer erhöhten öffentlichen Sensibilität geführt. Allerdings könnten Gebäude, die nach den geltenden und je nach Region unterschiedlichen Belastungsnormen errichtet wurden, solche Gletschereffekte leicht wegstecken, betonte der Fachmann. „Da muss immer noch etwas dazu kommen, dass ein Hallendach unter der schweren Schnee- und Eislast zusammenbricht“, unterstrich Weierganz. Das könnten unter anderem Materialfehler, Mängel bei der Bauausführung oder eine unzureichende Bauunterhaltung sein. „Wenn etwa Wasserabflüsse auf Flachdächern oder nur flach geneigten Dächern durch Laub und Unrat verstopft sind, kann Schmelzwasser nicht abfließen und sich zu einem See bilden, der dann bei Dauerfrost zu einer schweren Eisfläche gefriert“, erläuterte der Experte.

In Gesetzen und Bauordnungen sei klar geregelt, dass Hallenbesitzer für die Sicherheit ihres Gebäudes verantwortlich seien. Dazu gehöre auch eine regelmäßige Überprüfung von Dachabflüssen. Es gebe zwar keine exakten Zahlen. „Aber es besteht schon die begründete Besorgnis, dass nicht in erforderlichem Maß für den Bauunterhalt gesorgt wird“, sagte Weierganz.

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