Dänemark: Kopenhagener Autonome besetzen Parteizentrale

Dänemark
Kopenhagener Autonome besetzen Parteizentrale

Wegen der Räumung eines alternativen Jugendzentrums haben Kopenhagener Autonome die Zentrale der oppositionellen Sozialdemokraten besetzt. Die dänische Polizei stellt sich unterdessen auf ein heißes Wochenende ein und zog Beamte aus dem ganzen Land in der Hauptstadt zusammen.

HB KOPENHAGEN. Die Besetzer begründeten ihre Aktion am Freitag damit, dass die Partei der Kopenhagener Oberbürgermeisterin Ritt Bjerregaard die Zwangsräumung des „Ungdomshuset“ am Vortag zu verantworten habe. Die dänische Polizei hatte das seit 1982 besetzte Haus mit Unterstützung einer Anti-Terror-Einheit am Donnerstagmorgen geräumt. Zwei Hubschrauber setzte die Spezialkräfte auf dem Dach des früheren Theaters ab, während ihre Kollegen die umliegenden Straßen abriegelten. Wütende Demonstranten griffen daraufhin die Sicherheitskräfte mit Pflastersteinen, Flaschen und Farbe an und errichteten Straßenblockaden.

Haftrichter verhängten am Freitag jeweils vier Wochen Untersuchungshaft gegen 34 Besetzer des geräumten Jugendzentrums. Bei den Haftbefehlen gegen Teilnehmer an den Krawallen wurden auch gegen einen 15-Jährigen 26 Tage Untersuchungshaft verfügt. Er hatte nach Polizeiangaben vier Pflastersteine gegen Beamte geworfen. Insgesamt wurden seit Donnerstagmorgen mehr als 200 Hausbesetzer oder Sympathisanten in Gewahrsam genommen.

Die dänischen Sicherheitskräfte stellen sich darauf ein, dass es wegen der Haus-Räumung weitere Proteste gibt. Die Kopenhagener Polizei forderte Verstärkung aus anderen Landesteilen an. „Wir überziehen die ganze Stadt mit Polizisten“, sagte Polizeichef Per Larsen.

Bei den Straßenschlachten, die bis in die frühen Morgenstunden des Freitag dauerten, waren 25 Menschen verletzt worden. Einem dänischen Demonstranten riss ein Knallkörper, den er auf Polizisten schleudern wollte, mehrere Finger ab. Unter den Verletzten vom Donnerstag war auch ein Deutscher. Am Freitagmorgen wurden ausgebrannte Autos und Barrikaden weggeräumt.

Demonstrationen und Solidaritätskundgebungen wurden aus Hamburg, Berlin, Göttingen, Marburg, Potsdam, Leipzig, Köln, Hannover, Weimar, Hamburg, Karlsruhe und Bremen gemeldet. Bei einem Protestzug autonomer Gruppen in Hamburg verhinderte die Polizei am Donnerstag nach eigenen Angaben weitgehend Ausschreitungen. Aus der Versammlung von 700 bis 800 Personen seien Flaschen und Signalkörper geworfen worden, sagte ein Polizeisprecher. Ein Beamter sei verletzt worden.

Die Grenzübergange nach Dänemark werden seit Donnerstag verstärkt überwacht, um eine Ausreise von deutschen Sympathisanten zu verhindern.

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