Dänemark
Neue Krawalle wegen Mohammed-Karikaturen

Die umstrittenen Mohammed-Karikaturen sorgen wieder für Spannung. Nachdem dänische Zeitungen die brisanten Zeichnungen in dieser Woche aus Protest gegen Anfeindungen von Islamisten nochmal gedruckt hatten, gehen jetzt protestierende Muslime in Dänemark auf die Straße. In der Nacht brannte es in mehreren Städten.

HB KOPENHAGEN. In Kopenhagen und anderen dänischen Städten haben Unbekannte in der Nacht zum Freitag Autos, Container und Gebäude in in Brand gesteckt. Am schlimmsten war die Hauptstadt Kopenhagen betroffen. In einem überwiegend von Einwanderern bewohnten Stadtteil randalierten Jugendliche und setzten Dutzende Autos und Mülleimer in Brand. Auch eine Vorortschule brannte. Ferner wurden Steine auf Polizisten geworfen.Menschen wurden nicht verletzt. Die Polizei nahm sechs Jugendliche im Alter zwischen 15 und 18 Jahren fest.

Ein Behördensprecher erklärte, die von einer kleinen Zahl Jugendlicher mit Zuwanderer-Hintergrund geprägten Unruhen seien gegenüber ähnlichen Ereignissen in den vier vorangegangenen Nächten abgeflaut. Beobachtern zufolge waren die Krawalle zunächst eine Reaktion auf als repressiv empfundene Polizeikontrollen. Der erneute Abdruck der Mohammed-Karikaturen in dänischen Zeitungen habe jedoch noch mehr Öl ins Feuer gegossen. „Nichts wird einfacher, wenn die Karikaturen wieder zurückkommen“, sagte ein städtischer Sozialarbeiter.

Der jetzige Konflikt wurde durch die Festnahme von drei Männern mit islamistischem Hintergrund ausgelöst. Sie hatten nach Meinung des Polizei-Geheimdienstes PET die Ermordung des Zeichners Kurt Westergaard geplant, der den Propheten Mohammed mit einer Bombe mit brennender Zündschnur im Turban gezeichnet hatte. Dänische Zeitungen druckten die zweieinhalb Jahre alten Mohammed-Karikaturen in dieser Woche als Protest gegen den Mordplan erneut ab.

In Zusammenhang mit der Morddrohung gegen den Urheber einer der Zeichnungen wurden in dieser Woche zwei Tunesier und ein Däne marokkanischer Abstammung festgenommen. Der Däne wurde unter Auflagen wieder freigelassen, für die Tunesier wurden 27 Tage Haft unter dem Anti-Terror-Gesetz festgelegt. Während dieser Zeit wollen die Behörden entscheiden, ob die beiden Verdächtigen ohne Gerichtsverfahren des Landes verwiesen werden sollten.

Aus Protest gegen den erneuten Abdruck der Karikaturen bestellte der Iran den dänischen Botschafter in Teheran ins Außenministerium ein. Dabei forderten iranische Beamte, dass die Kopenhagener Regierung in dem Fall eine „ernsthafte Haltung“ einnehmen und eine Wiederholung verhindern sollte. Botschafter Sören Haslund erklärte später im dänischen Fernsehen, er habe der iranischen Seite zugesagt, deren Bedenken wortgetreu an seine Regierung weiterzuleiten. Er habe aber sich aber weder entschuldigt noch Bedauern bekundet.

Auch in den islamischen Ländern droht sich der Streit neu zu entfachen. In der pakistanischen Hafenstadt Karachi setzten islamische Studenten eine dänische Flagge in Brand. Sie forderten die Todesstrafe für die Karikaturen-Zeichner und warfen Präsident Pervez Musharraf vor, nicht entschlossen gegen Dänemark Stellung zu beziehen. Schon vor zweieinhalb Jahren hatten die Zeichnungen für wochenlange Unruhen unter Muslimen in Dänemark und in fast allen islamischen Ländern gesorgt.

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