Das Fest der Liebe weltweit
So feiern die Korrespondenten Weihnachten

Weihnachten feiern Menschen rund um den Globus. Sei es mit Schweiß auf der Stirn unterm verdorrten Tannenbaum oder mit Picknickkorb und Kerzen am Strand: Die Handelsblatt-Korrespondenten berichten über ihre Erlebnisse.
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Alexander Busch: São Paulo

Mich macht ein Besuch in den eisgekühlten Einkaufszentren vor Weihnachten immer schnell sentimental. Denn für viele, vor allem ärmere Brasilianer, ist der Besuch im Einkaufszentrum einer der Höhepunkte des Weihnachtsprogramms. Hierher bringen sie ihre mit neuen Kleidern herausgeputzten Kinder, um die prächtige Weihnachtsdekoration zu bestaunen und einen „echten“ Weihnachtsmann zu sehen. Schon seit Mitte November sammeln sich dort Schlangen von Eltern mit ihren Kindern und warten stundenlang geduldig auf ein Foto mit dem Weihnachtsmann.

Die in mehreren Schichten arbeitenden „Papai Noel“ thronen dann inmitten einer bunt und knallig beleuchteten Winterlandschaft und setzen ein Kind nach dem anderen auf ihren Schoß. Später steht das Foto neben dem Plastikweihnachtsbäumchen auf dem Fernseher – während bei gefühlten 38 Grad um Mitternacht das Weihnachtsessen beginnt: Dazu gehört in Brasilien der Truthahn und ein großer Korb mit Früchten. Um Mitternacht kommt die Familie zusammen und die Geschenke werden ausgetauscht.  Süßer Cidre – Champagner genannt - wird getrunken und auf die Tafel gehört auch der Panettone, das italienische Früchtebrot.

Es wird reichlich Bier getrunken – und wer mag Whisky mit Eis und Kokoswasser -, weil selbst um diese Zeit der Schweiß auf der Stirn steht. Kerzen aus Wachs verbiegen sich bei diesen Temperaturen und Tannen aus Südbrasilien verlieren hier nahe am Äquator schon nach kurzer Zeit ihre Nadeln. Je später die Stunde, umso fröhlicher wird es. Weihnachten ist ein Familienfest, aber keine so ernste Sache wie in Deutschland.

Am 25. Dezember leidet dann Brasilien komplett an ressaca, einem kollektiven Kater. Dann sind alle Geschäfte geschlossen und in den Familien werden die Reste vom Vortag gegessen und jeder schläft solange er möchte. Wer kann, geht an den Strand – Kinder tragen stolz ihre neuen Sandeimer, Jugendliche probieren die Surfbretter aus und viele Väter erholen sich vom Familienstress – mit einer Dose Bier in der Hand.

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