Das Image des "Taxidermisten" ist leicht blutig: Tot wie lebendig

Das Image des "Taxidermisten" ist leicht blutig
Tot wie lebendig

Aus dem Wald an die Wand, vom Schoß aufs Vertiko: Die Weltmeister im Ausstopfen präparieren Hase, Hund und Hai.

Es gibt Männer, die sind erst richtig stolz und glücklich, wenn sie einen Bock geschossen haben. Aber wohin dann mit dem Viech? Damit Trophäe und Ruhm nicht allzu schnell verwesen, ziehen Präparatoren das erlegte Fell über einen Body aus Hartplastik und modellieren das Wild wie neu. Wenn gewünscht, kriegt der Jäger und Sammler das Fleisch zum Verzehr geliefert – tiefgefroren. So kann er sich sein Jagdglück einverleiben und doppelt genießen – Auge in Glasauge mit seiner Beute.

Für manche sicher eine etwas gruselige Vorstellung. Deshalb ist das Image des Berufsstandes der Taxidermisten – so die korrekte Bezeichnung – auch leicht blutig. „In den USA sind Präparatoren hoch angesehen. Hier verdienen sie so viel wie eine Fleischverkäuferin“, seufzt Uwe Vogel am schweren Eichentisch seines Jagdzimmers und nippt am grünen Tee. Fanatische Tierschützer sprühen schon mal „Tiermörder“ auf sein Schaufenster. Das befürchtet Vogel auch an diesem Wochenende in Dortmund, denn zur Messe „Jagd & Hund“ werden wieder einmal Demonstrationen erwartet.

In Dortmund messen sich die Präparatoren auch beim Europäischen Taxidermisten-Wettbewerb. Weltmeister im Ausstopfen, ein Begriff, den die Präparierprofis nicht so gerne hören, ist zurzeit Berend Koch, Zoologe der Uni Darmstadt. Auf besonders Exotisches komme es beim Wettbewerb nicht an, erklärt er: „Man kann auch mit einem Stallhasen gewinnen.“ Er selbst errang die Weltmeisterschaft mit einer Szene zweier Stare, die um einen Wurm kämpfen. Das hinzukriegen braucht Zeit. Bis zu zehn Tage arbeitet Koch schon mal an der Präparation eines Vogels: „Jeder Freiberufler wäre sofort pleite, wenn er so arbeiten würde wie ich.“

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