„Das sind Leute, die uns kein normales Leben gönnen"
Saddam-Gefolgsleute legten mit Gerüchten Schulen lahm

Flüsterpropaganda von Saddam-Treuen um „drei Tage des Widerstandes“ und angeblich geplante Selbstmordattentate ließ Kinder in Bagdag von ihren Schulen fernbleiben.

HB BAGDAD. Es sollten Anfang November zwei oder drei „Tage des Widerstandes“ werden. Das Gerücht hielt sich hartnäckig und kursierte in Abwandlungen, bis hin zu angeblich drohenden Straßenkämpfen. Dass diesmal auch Schulen auf der Zielliste von Selbstmordattentätern stehen würden, wollten fast alle Iraker gehört haben. Die meisten Eltern hatten die Drohung ernst genommen und behielten ihre Kinder zu Hause. Auch viele Erwachsene zogen es vor, in den eigenen vier Wänden zu bleiben.

Doch nichts passierte in Bagdad am Samstag, und so wurden einige Eltern etwas wagemutiger. „Heute ist gut die Hälfte der Schüler zum Unterricht erschienen, der Lehrbetrieb läuft normal“, erklärte Dschihan Saalem gestern – Direktorin der Aluja- Grundschule im Stadtteil Karrade. Am Tag zuvor waren allerdings tatsächlich kaum Schüler gekommen. „Es hieß, dass Schulen angegriffen würden, die von den Amerikanern renoviert wurden“, sagt die Direktorin.

Saalem hatte von Anfang an nichts auf die Gerüchte gegeben, doch sie zeigt Verständnis für die Eltern. Nach der Selbstmordserie am vergangenen Montag gegen das Rote Kreuz und mehrere Polizeiwachen in Bagdad schienen die Ängste nicht grundlos. Da viele Iraker den Amerikanern und ihren Motiven für den Irak- Krieg misstrauen, findet auch Flüsterpropaganda wie diese Gehör. Auf die Frage, wer wohl die Gerüchteküche angeheizt habe, antwortet die Schulleiterin kurz und bündig: „Saddam-Gefolgsleute und Feinde des Landes.“ Hier, in Karrade, einem schiitisch geprägten Geschäftsviertel, kommt keine Nostalgie für den gestürzten Diktator auf. „Das sind Leute, die uns kein normales Leben gönnen“, fügt sie hinzu.

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