Datensynchronisation
Lehrerin spielt heikle Fotos auf Schul-Tablet

Berufliche und private Datennutzung auf einem Gerät ist immer riskant. Doch seit der Einführung der Cloud-Speicher ist das Risiko deutlich gestiegen. Vor allem dann, wenn man nicht weiß, was man da überhaupt macht.
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San FranciscoApples Synchronisierungs- und Speicherdienst iCloud verändert unser Leben, das wußte schon Steve Jobs. Diese Erfahrung mussten jetzt vier Schüler der Highland Mittelschule in Indiana und deren Lehrerin machen. Die Jugendlichen hatten mit Erlaubnis der Lehrerin auf dem Schul-iPad ein Spiel gespielt und, neugierig wie Kinder nun mal sind, auch auf den Foto-Button gedrückt.

Daraufhin bekamen sie ihre pädagogische Fachkraft in einer Schönheit zu sehen, wie sie Schüler normalerweise nicht zu sehen bekommen. Die Lehrerin hatte, zufällig oder nicht, ihr Schul-iPad mit ihrem privaten iCloud-Account synchronisiert und dabei leider eine kleine, aber entscheidende Funktion übersehen. Apple stellt die Inhalte der iCloud auf allen autorisierten, sprich mit der richtigen Apple-ID angemeldeten Geräten bereit.

So wanderte das eigentlich auf dem privaten iPhone gut versteckten heikle Privatfoto auf das staatlich finanzierte Erziehungs-Pad. Wer so etwas verhindern möchte, sollte die Funktion „Fotostream“ in den iCloud-Einstellungen deaktivieren oder am besten einen getrennten Apple-Account für berufliche Angelegenheiten verwenden.

Das hätte auch der mutmaßliche Dieb tun sollen, der auf auf einem US-Kreuzfahrtschiff das iPhone einer Passagierin gestohlen haben soll. Offenbar völlig unerfahren in der Bedienung eines Smartphones führte er keine komplette Datenlöschung durch, sondern verwendete das Gerät einfach weiter.

So wanderten nach und nach immer mehr Beweisfotos mit seinem Gesicht auf dem Computer der Eigentümerin. Ihr iPhone synchronisierte brav weiter mit dem angeschlossenen Mac. Die Fotos reichten der Reederei, um den Mann ausfindig zu machen und das Telefon seiner rechtmäßigen Eigentümerin zurückzubringen.

Eine unerwartete Wendung hingegen nahm das Picture-Gate an der Mittelschule in Anderson, Indiana. Die Lehrerin, die fahrlässig die Fotos auf das schuleigene iPad geladen oder vielleicht sogar das iPad zum Fotografieren benutzt und das Foto dann schlicht vergessen hatte, ging straffrei aus. Das betreffende Foto sei zudem weder pornografisch noch vollständig unbekleidet gewesen. Der Pädagogin ist nach einer Mitteilung der Schulbehörde also kein Fehlverhalten vorzuhalten. Und das, obwohl sie sich offenbar mit ihrem privaten Apple-Account auf einem Schulgerät angemeldet hatte.

Irgendjemand muss allerdings wohl Schuld sein und so entschied die Schulaufsichtsbehörde, dass es die Schüler waren, die die Datennutzungsrichtlinien der Schule verletzt hätten und suspendierte drei von Ihnen vom Unterricht. Ihnen droht sogar der Schulverweis. Das Vergehen: Sie hatten unerlaubterweise auf den Knopf „Photos“ auf dem Home-Bildschirm geklickt.

Doch was war wirkliche Fehler der Jungs gewesen? Sie hatten gemeldet, was auf dem iPad war, statt die Bilder einfach drauf zu lassen und den Mund zu halten. Dann hätten sich, bis alles auffliegt, zwar wahrscheinlich noch viele andere Kinder ein besseres Bild von ihrer Pädagogin und von deren technologischer Kompetenz machen können. Aber sie wären ebenso straffrei ausgegangen wie sie selbst.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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