Dax 2005
Deutsche Aktien laufen Europa davon

Die Gründe wechseln, aber der Trend bleibt: Der Dax steigt 2005 wie lange nicht. Dabei werden sogar alte Börsenweisheiten ausgehebelt.

HB DÜSSELDORF. Wer in diesem Jahr die alte Börsenweisheit "Sell in May" beherzigte und im Frühjahr seine Aktien verkaufte, hat Pech gehabt. Denn ausgerechnet im Wonnemonat beginnen die Börsen richtig durchzustarten. Ganz besonders in Deutschland.

Der Grund dafür ist schnell ausgemacht: Altkanzler Gerhard Schröder kündigt nach dem Desaster für seine Sozialdemokraten bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 22. Mai überraschend Neuwahlen für Deutschland an. Und weil die Börsen ebenso wie Meinungsforscher, Medien und weite Teile der Bevölkerung mit einer konservativ-liberalen Mehrheit rechnen und auf strukturelle Veränderungen wie Gesundheitsreform, Lockerung des Kündigungsschutzes und einen flexibleren Arbeitsmarkt setzen, verteilen Aktionäre viel Vorschusslorbeeren.

Vor allem ausländische Anleger, die lange Zeit deutsche Aktien mieden, weil sie von der Reformunfähigkeit des Landes überzeugt waren, sind angetan. Binnen zwei Monaten investieren sie mit netto 71 Milliarden Euro so viel wie noch nie in deutsche Aktien. Das entspricht mehr als zehn Prozent der Marktkapitalisierung des Deutschen Aktienindexes (Dax), also noch mehr als dem Vorsprung, den deutsche Aktien gegenüber europäischen Titeln aufweisen - und bis Jahresende nicht mehr hergeben. Das 25-prozentige Plus im Dax misst sich mit 20 Prozent im europäischen Stoxx 50.

Dass es im Dax nicht noch mehr wurden, haben deutsche Anleger zu verantworten. Sie lassen sich nicht beeindrucken und sind noch von der beispiellosen Talfahrt bis 2003 geschockt. Sie ziehen im ersten Halbjahr drei Milliarden Euro aus Aktienfonds ab. Erst im zweiten Halbjahr stoppt der Trend, und heimische Anleger kehren anfangs sehr zögernd, zum Schluss aber mit größeren Nettozuflüssen zurück.

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