Dem Kind geht es den Umständen entsprechend gut
Siamesischer Zwilling Lea kommt nach Hause

Es ist die Rückkehr von einer schweren Reise: Nach einem halben Jahr wird das siamesische Zwillingsmädchen Lea an diesem Dienstag wieder in Deutschland erwartet. Hinter dem einjährigen Kind liegen schreckliche Monate.

HB LEMGO. Familienangehörige und Freunde holen das Mädchen und seine Eltern vom Frankfurter Flughafen ab, wie der der Leiter der mennonitischen Gemeinde im lippischen Lemgo, Nikolai Reimer, am Montag berichtete. US-Ärzte hatten Lea nach monatelanger Vorbereitung im September von ihrer Zwillingsschwester Tabea getrennt, mit der sie am Kopf zusammengewachsen war. Tabea starb noch im Operationssaal.

In der vergangenen Woche habe Lea einen kleineren Eingriff über sich ergehen lassen müssen. „Es war aber nichts Schlimmes“, betonte Reimer. Es sei nur darum gegangen, einen Katheter zu entfernen. Lea gehe es den Umständen entsprechend gut. „Dass sie zurückkommt, ist wie ein Adventsgeschenk für uns“, sagte Reimer. Er ist enger Vertrauter der Familie.

Hinter dem einjährigen Kind liegen schreckliche Monate. Pfingsten war die Kleine zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Tabea von Lemgo in der Nähe von Bielefeld ins amerikanische Baltimore abgereist. Dort wurden die Kleinkinder auf die gefährliche Operation im September vorbereitet. Neben aufwendigen Untersuchungen, aus deren Daten unter anderem ein dreidimensionales Bild des Schädels erstellt wurde, damit die Ärzte den komplizierten Eingriff üben konnten, mussten die Kindern schon im Vorfeld Operationen über sich ergehen lassen.

So wurde ihnen unter der Kopfhaut Silikonkissen eingepflanzt. Diese so genannten Expander dehnten sich aus und sollten so die Kopfhaut der beiden Mädchen wachsen lassen, damit sie nach der Operation die Wunde bedeckt. Doch die von der Öffentlichkeit mit großer Anteilnahme begleitete Operation endete für Tabea tragisch: Nach mehreren Komplikationen gelang zwar in einer fünftägigen Operation die Trennung. Tabea aber starb nach wenigen Stunden später an einer Herzschwäche und hohen Blutverlust.

Lea überlebte, aber wie es ihr später einmal gehen wird, weiß noch niemand. Vielleicht wird sie niemals richtig sehen können, hatte der US-amerikanischen Neurochirurg Benjamin Carson dem Magazin „Stern“ gesagt. Außerdem sei ihre linke Körperhälfte teilweise gelähmt. Aber hier besteht nach Ansicht des Mediziners Hoffnung, dass sie im Lauf der Zeit alle ihre Gliedmaßen wieder bewegen kann, wenn es auch noch nicht feststehe, ob sich ihre Feinmotorik wieder völlig erholen wird. Trotz aller Trauer und möglicher weiterer Beschwernisse für Lea: Eine Alternative zur Operation hatte Carson nie gesehen. Ohne Trennung hätte beiden „ein schreckliches Leben“ bevorgestanden, sagte er vor der Operation.

Während der ganzen Zeit wichen die Eltern Peter und Nelly nicht von der Seite ihrer Kinder. Den tiefreligiösen Menschen standen dabei auch ihre Freunde und Bekannte aus der mennonitischen Gemeinde Lemgos zur Seite. Gott habe ihnen ihr Kind genommen, und sie habe wie ihr Mann mit ihrem Schicksal nicht gehadert, hatte Nelly Block kurz nach der Operation in einem Fernseh-Interview gesagt. „Das ist mir nicht in den Sinn gekommen.. Aber man fragt sich natürlich: Warum? (...) Warum ist das so ausgegangen? So viele Leute haben gehofft, dass es gut ausgeht.“ Auch Reimer blickt nach vorne: „Wir freuen uns, dass Lea zurück kommt“, sagt er. Für den Samstag ist in Lemgo ein Dankgottesdienst geplant.

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