Demografischer Wandel
Osteuropa altert schneller als der Westen

Der Rückgang der Bevölkerung stellt die Länder Mittel- und Osteuropas vor große Herausforderungen. In einigen der neuen EU-Mitgliedsstaaten wird der demografische Wandel in den nächsten Jahren schneller vonstatten gehen, als in Westeuropa. Viele Länder haben bereits reagiert.

ov BERLIN. Nach einer Studie der Allianz werden die zehn Beitrittsländer und Kroatien 16 Millionen Einwohner bis 2050 verlieren. Das entspricht 15 Prozent der derzeitigen Bevölkerung.

Die Einwohnerzahl in Polen und Rumänien wird nach der Prognose jeweils um etwa 4,5 Millionen schrumpfen. Für Rumänien entspricht dies zwanzig Prozent der Bevölkerung. Bulgarien ist noch stärker betroffen, das Land dürfte demnach in den kommenden 40 Jahren ein Drittel seiner Bevölkerung verlieren. Zudem kommen dann in Bulgarien 60 Rentner auf 100 Einwohner.

Mit dem Ende des Kalten Krieges und der politischen Transformation sind die Geburtenraten in diesen Ländern eingebrochen. Gleichzeitig stieg die Lebenserwartung kontinuierlich und befindet sich inzwischen fast auf westeuropäischem Niveau.

Die Weltbank spricht von einer „dritten Transformation“, nach dem politischen und ökonomischen Wandel. „Das bedroht die wirtschaftlichen Erfolge der vergangenen Jahre“, sagt Arup Banerji, Autor einer kürzlich vorgelegten Studie der Weltbank zum Thema. Problematisch bezeichnet es die Weltbank, dass teilweise auch die Transformation hin zu marktwirtschaftlichen Demokratien noch nicht abgeschlossen ist.

„Die Entwicklung ist beispiellos in der Weltgeschichte“, sagt Banerji. Bisher alterten vor allem die Industrienationen, nun sind auch weniger entwickelte Staaten betroffen. Keines der alternden Länder sei je so arm gewesen wie Georgien.

Nach Angaben der Weltbank werden die Staaten Osteuropas und der ehemaligen Sowjetunion die am schnellsten alternden in den nächsten zwei Jahrzehnten sein. Die Region werde 23,5 Millionen Einwohner verlieren, Russland davon allein 17,3 Millionen. Für Mazedonien, Albanien und zentralasiatische Staaten wie Usbekistan und Aserbaidschan ist dagegen mit einer Zunahme zu rechnen, da die Bevölkerung noch relativ jung ist.

Die anderen Staaten werden durch die Alterung vor zahlreiche Herausforderungen gestellt, die von einem Mangel an Arbeitskräften über steigende Gesundheitsausgaben bis zu Problemen für die Rentenkassen reichen. Die Weltbank fordert daher eine Beschleunigung der wirtschaftlichen Reformen. Mit flexibleren Arbeitsmärkten und reformierten Sozialsystemen könnten die Länder trotz des Bevölkerungsschwunds weiter wachsen.

Viele Länder reagieren bereits auf den demografischen Wandel. So zahlt Polen seit einem Jahr eine Prämie von etwa 250 Euro für jedes Neugeborene. Auch die Reform der Rentensysteme hat begonnen. Nach Angaben der Allianz haben acht der elf untersuchten Länder verpflichtende kapitalgedeckte Pensionspläne als zweite Säule neben der staatlichen Rente eingeführt. „Damit sind sie vielen westeuropäischen Ländern voraus“, sagt Brigitte Miksa, Leiterin International Pensions bei der Allianz. Ausnahmen bilden die Tschechische Republik, Litauen und Slowenien.

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