Demonstranten verlangen Gleichstellung von Homosexuellen
Hunderttausende beim Christopher Street Day in Berlin

Zur alljährlichen Christopher Street Day Parade sind am Samstag in Berlin Hunderttausende Homosexuelle durch die Straßen gezogen. Justizministerin Zypries kündigte Gleichstellungs-Gesetze an.

HB BERLIN. Hunderttausende Schwule und Lesben sind am Samstag in einer großen und bunten Parade durch Berlin gezogen. Zum traditionellen Umzug am Christopher Street Day, dem jährlichen Festtag für Homosexuelle, kamen nach Angaben der Veranstalter bis zu einer halben Million Menschen. Die Polizei sprach von rund 200.000 Teilnehmern.

Hinter einer Regenbogenfahne zogen und tanzten Schwule, Lesben und Heterosexuelle auf und neben rund 60 Wagen durch die West-Berliner Stadtteile vom Kurfürstendamm zur Straße des 17. Juni. Den Hunderten Schaulustigen am Straßenrand bot sich dabei ein farbenfrohes Bild geschmückter, kostümierter und phantasievoll zurechtgemachter Feiernder. Viele trugen Transparente, auf denen Forderungen wie «Akzeptanz statt Toleranz» oder «Gleiche Rechte für alle» standen. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte den Zug am Vormittag eröffnet.

Justizministerin Brigitte Zypries sagte anlässlich der Christopher Street Day Parade, dass die Bundesregierung noch im Sommer mit zwei Gesetzesvorhaben dafür sorgen wolle, dass Lebenspartnerschaften Homosexueller der Ehe angeglichen werden. Dem Rundfunk Berlin-Brandenburg sagte die SPD-Politikerin, Schwule und Lesben sollten die Möglichkeit erhalten, die Kinder ihrer eingetragenen Partner zu adoptieren. Zudem soll ein Antidiskriminierungsgesetz die Gleichstellung am Arbeitsplatz fördern.

Wowereit, der sich zu seiner Homosexualität bekennt, nahm auf Zypries' Ankündigung Bezug und erinnerte daran, dass Schwule und Lesben am Arbeitsplatz oder in der Schule trotz aller Fortschritte mitunter immer noch «objektiv gemobbt» würden.

Der CSD feiert das erste bekannt gewordene Aufbegehren von Homosexuellen gegen Polizeiwillkür in der New Yorker Christopher Street im Szeneviertel Greenwich Village am 27. Juni 1969. Zu dieser Zeit gab es immer wieder gewalttätige Razzien in polizeibekannten Szenekneipen.

Es kam nach dem 27. Juni zu tagelangen Straßenschlachten zwischen den Opfern der Polizeirepression und den Sicherheitskräften. Die Tradition, an dieses Ereignis durch Straßenumzüge zu erinnern, entstand Anfang der siebziger Jahre.

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