Der 11. September wird zum Stoff für die Filmindustrie
Hollywood und das Tabu

Vier Jahre nach den Terroranschlägen auf New York und Washington bricht die Filmindustrie in Hollywood mit einem Tabu. Erstmals werden die Ereignisse vom 11. September in Film und Fernsehen dramatisiert.

NEW YORK. Um 9.24 Uhr erfährt Kapitän Jason Dahl, dass zwei Flugzeuge in das World Trade Center in New York gerast sind. Die Bodenzentrale warnt den Piloten des United-Airlines-Fluges 93 auf dem Weg nach San Francisco vor möglichen Angriffen von Entführern auf das Cockpit. Vier Minuten später kapern vier Männer die Maschine und ändern ihren Kurs in Richtung Washington. Ihr Ziel: das Weiße Haus oder das Kapitol zu zerstören.

Was sich wie ein Drehbuch zu einem packenden Thriller liest, ist in Wirklichkeit ein Auszug aus dem so genannten „9/11 Report“, dem offiziellen Untersuchungsbericht der amerikanischen Regierung zu den Ereignissen am 11. September 2001. „Es ist ein schreckliches Zeugnis“, sagt Quinn Taylor, Manager des TV-Senders ABC. „Aber es liest sich wie ein Film.“ Für den Fernsehmann Taylor und seine Kollegen in Hollywood ist das mehr als 600 Seiten starke Dokument des Grauens der letzte Anstoß, eines der sensibelsten Themen Amerikas anzupacken.

„Wir müssen den Menschen erzählen, was passiert ist“, rechtfertigt Taylor die Grenzüberschreitung. Das US-Network dreht seit kurzem eine sechsstündige Miniserie zum 11. September mit Harvey Keitel in der Hauptrolle.

Zwar wurden die schrecklichen Ereignisse bereits in Dokumentationen aufgearbeitet. Das nationale Trauma für ein Drama zu nutzen, trauten sich die Filmemacher jedoch nicht. Zweifel bleiben auch heute noch: „Die Kinder wollen nicht einen Schauspieler sehen, der ihren sterbenden Vater spielt“, sagt der US-Schauspieler Denis Leary. Eine Umfrage der Fachzeitschrift Entertainment Weekly (EW) ergab, dass 55 Prozent der Befragten das Vorgehen Hollywoods missbilligen.

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