Der 14. Dalai Lama wird heute 70 - und hat eigentlich nur wenig Grund zu feiern
Lächeln gegen das Vergessen

Seit Jahrzehnten predigt er Gewaltlosigkeit und Toleranz, obwohl sein Volk unterdrückt wird. Meist lächelt er, auch wenn sein eigenes Schicksal wenig Grund dafür bietet. Seine Weisheit und seine Freundlichkeit haben Tenzin Gyatso, besser bekannt als der 14. Dalai Lama, weltweit bekannt und beliebt gemacht. Am Mittwoch (6. Juli) wird das geistliche und weltliche Oberhaupt der Tibeter 70 Jahre alt.

HB NEU DELHI. Trotz seines selbstlosen Engagements, trotz seiner weltweit vorgetragenen Bitten um Unterstützung für die Sache der Tibeter: Von seinem Ziel, das Leid seines Volkes zu beenden, scheint der Friedensnobelpreisträger von 1989 weit entfernt zu sein. Zwei Jahre nach dem Tod des 13. Dalai Lama 1933 beginnt gemäß dem Glauben der tibetischen Buddhisten die Suche nach seiner Wiedergeburt. Ein Suchtrupp stößt auf Lhamo Dhondup, den Sohn einer Bauernfamilie. Im Februar 1940, im Alter von vier Jahren, wird er unter dem Namen Tenzin Gyatso als Dalai Lama („Ozean der Weisheit“) inthronisiert. Rund zehn Jahre später beginnt die chinesische Invasion Tibets - das die Volksarmee bis heute gegen auch gewaltsamen Widerstand der Tibeter besetzt hält. 1959 schließlich flieht der Dalai Lama aus seiner Heimat im Himalaja. Indien gewährt ihm Asyl.

Seitdem ist der Dalai Lama nicht ein einziges Mal nach Tibet zurückgekehrt. Er lebt - wie mehr als 100 000 tibetische Flüchtlinge - im nordindischen Dharamsala, wo auch der Sitz der von keinem Staat der Welt anerkannten tibetischen Exilregierung ist. Hilflos muss er seit seiner Flucht mit ansehen, was in seiner Heimat geschieht:

Allein während der chinesischen Kulturrevolution seien 6000 Klöster zerstört worden, beklagt die Exilregierung. Die Siedlungspolitik habe dazu geführt, dass inzwischen mehr Chinesen als Tibeter in Tibet lebten, von letzteren 70 Prozent unterhalb der Armutsgrenze.

„Es ist ein Fehler zu glauben, dass das Schlimmste vorüber ist“, meint die Exilregierung. „Das Schicksal der einzigartigen nationalen, kulturellen und religiösen Identität Tibets ist heute ernsthaft bedroht.“ Immer noch komme es zu schweren Menschenrechtsverletzungen, Tibeter würden willkürlich festgenommen, selbst gegen Kinder gingen die Chinesen vor. Sorge dürfte manchen Tibetern bereiten, dass sich Indien und China immer weiter annähern. Nepal schloss vor kurzem bereits das Büro des Dalai Lama in Kathmandu - nach Ansicht von Exil- Tibetern „zu 100 Prozent“ unter dem Druck Chinas.

Trotz des Unrechts, das den Tibetern widerfährt, ruft der Dalai Lama seine Landsleute immer wieder dazu auf, sich nicht der Gewalt hinzugeben - der einzige Weg zur Lösung des Konflikts sei der des Dialogs, meint er. Schon lange hat der Dalai Lama sich von der Forderung nach Unabhängigkeit verabschiedet, stattdessen bittet er um Autonomie innerhalb der Volksrepublik - und um die Erlaubnis, in seine Heimat zurückkehren zu dürfen.

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