Der beste Koch der Welt
Benoît Violier nimmt sich das Leben

Erst vor einigen Wochen war sein Restaurant „L'Hôtel de Ville“ als „Bestes Restaurant der Welt“ geehrt worden. Nun wurde der Franzose Benoît Violier tot in seiner Wohnung aufgefunden. Er starb im Alter von 44 Jahren.

Genf/LausanneDer mutmaßliche Suizid des französisch-schweizerischen Starkochs Benoît Violier hat in der Gastronomiewelt Trauer und Entsetzen ausgelöst. Paul Bocuse würdigte den verstorbenen 44-Jährigen am Montag als „großen Koch, großen Mann, gigantisches Talent“, auch andere Spitzenköche brachten ihre Anteilnahme zum Ausdruck. Der gefeierte Drei-Sterne-Koch hatte sich nach Angaben der Polizei offenbar in seinem Schweizer Wohnort erschossen.

Die Leiche des 44-Jährigen wurde am Sonntag in seinem Haus im nahe Lausanne gelegenen Crissier gefunden, wie die Polizei mitteilte. „Der Betroffene hat seinem Leben vermutlich mit einer Schusswaffe ein Ende gesetzt,“ erklärte sie weiter. Polizeiliche Ermittlungen sollen nun die genauen Todesumstände klären.

In Crissier betrieb Violier sein mit drei Michelin-Sternen dekoriertes „Restaurant de l'Hôtel de Ville“. Erst im Dezember war der gefeierte Gourmettempel im französischen Gastronomie-Ranking „La Liste“ zum besten Restaurant der Welt gekürt worden.

Violier hatte das Restaurant 2012 gemeinsam mit seiner Frau Brigitte übernommen. Der passionierte Jäger, der einer Winzerfamilie aus La Rochelle entstammte, war insbesondere für seine Wildgerichte bekannt. 2013 wurde er von der Schweizer Ausgabe des Restaurant- und Hotelführers Gault et Millau als Koch des Jahres ausgezeichnet. Im vergangenen November bestätigte der Schweizer Michelin seine drei Sterne.

Der französische Starkoch Marc Veyrat würdigte Violier als „Ausnahmekoch“, der der Welt fehlen werde. Die Sterneköchin Anne-Sophie Pic zeigte sich "furchtbar traurig" und sprach Violiers Familie ihre Anteilnahme aus.

Der Tod des Sternekochs überschattete am Montag auch die Veröffentlichung der neuesten Michelin-Ausgabe für Frankreich. Vor Bekanntgabe der Sterne des Jahres 2016 wurde in Paris eine Schweigeminute in Erinnerung an Violier abgehalten. Die Verantwortlichen des Gastroführers würdigten ihn als „Koch mit riesigem Talent“.

„Die ganze Gastronomieszene weint, denn wir verlieren einen großen Monsieur der Spitzengastronomie, einen Kollegen und Freund“, sagte Spitzenkoch Christian Le Squer, dessen Restaurant „Le Cinq“ im Pariser Luxushotel „George V“ am Montag mit einem dritten Michelin-Stern geehrt wurde.

Violiers Tod weckt Erinnerungen an den Suizid des französischen Starkochs Bernard Loiseau. Der ebenfalls mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnete Küchenchef hatte sich 2003 im Alter von 52 Jahren das Leben genommen. Zuvor hatte der Gault et Millau ihm mehrere Punkte aberkannt, außerdem gab es Gerüchte, Loiseau könnte einen seiner drei Michelin-Sterne verlieren – was sich damals aber als falsch herausstellte.

Loiseaus Tod wird immer wieder als Beispiel genannt, wenn es um den enormen Druck in der Spitzengastronomie und die Fokussierung auf die Urteile von Gastrokritikern geht. Bitterer zeitlicher Zufall: Loiseaus früheres Restaurant „Relais Bernard Loiseau“ im burgundischen Saulieu, das seiner Witwe Dominique gehört, verlor am Montag nach 25 Jahren seinen dritten Michelin-Stern – einen Tag nach Bekanntwerden von Violiers Suizid.

Agentur
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