Der Bordell-Bezirk von Amsterdam
Wenn das rote Licht ausgeht

De Wallen, ein 800 Jahre altes Grachtenviertel in Amsterdam, soll einen neuen Anstrich erhalten: Designermode statt Prostitution in Vitrinen – das zumindest plant die Stadtverwaltung und hat auch schon 25 Millionen Euro in das Projekt investiert. Doch nicht alle sind mit diesen Plänen einverstanden.

AMSTERDAM.

Ihre Handbewegungen wirken so automatisiert wie bei einer perfekten Maschine. Noor Wentholt schaut kaum auf von den Dreiecken, Halbkreisen und Rechtecken aus weißer Pappe, die durch ihre Finger gleiten. Immer wieder legt die junge Frau ihr breites Lineal an, schneidet neue geometrische Formen aus und klebt sie zusammen. Schon nach ein paar Minuten steht ein fertiges Modell auf dem Tisch – für die nächste Tasche ihrer Ignoor-Kollektion.

Die 31 Jahre alte Designerin aus Amsterdam entwirft seit vier Jahren ihre eigenen Taschen-Kreationen, und die sind heiß begehrt. „Am Anfang konnte ich alles alleine machen – vom Konzept bis zur Produktion. Jetzt schaffe ich das nicht mehr“, sagt die zierliche blonde Frau.

Ihre Taschen verkauft sie in ausgewählten Läden überall in den Niederlanden, und seit neuestem entstehen sie in einem ganz besonderen Atelier: Noor Wentholts Arbeitsplatz liegt mitten in De Wallen, dem Amsterdamer Rotlichtbezirk. Und wenn es nach dem Willen der Stadt geht, soll dieses weltberühmte Viertel bald ein ganz anderes Gesicht haben.

Pornokinos und Sexshops an jeder Ecke

Wenn Wentholt von ihrer Arbeit im ersten Stock eines schmalen Amsterdamer Hauses hochschaut, dann fällt ihr Blick auf zwei nur spärlich bekleidete Frauen, die sich im Schaufenster auf der gegenüberliegenden Straßenseite hin- und herwiegen. Am Haus daneben blicken Lettern in Grellgelb: „Sexshop“. Traditionell bieten in De Wallen Frauen zahlungswilligen Kunden ihre Dienste an. Pornokinos und Sexshops an jeder Ecke.

Aber das soll anders werden. Mit Hilfe von 15 jungen Designern will die städtische Regierung den Wandel einläuten. „Die Kriminalität ist gestiegen. Der Drogenhandel hat zugenommen, und wir haben zu viele Prostituierte“, sagt Frank de Wolf, der für die Sozialdemokraten im Stadtrat sitzt.

Seite 1:

Wenn das rote Licht ausgeht

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%