Der Chor singt unverdrossen weiter
Marktls „größter Tag“ dauert 20 Minuten

In 20 Minuten ist alles vorbei. Vor der Kirche St. Oswald in seinem Geburtsort Marktl steigt Papst Benedikt XVI. aus einer schwarzen Limousine, steuert auf die Ehrengäste und dann auf die Ministranten zu und schüttelt Hände.

HB MARKTL. In 20 Minuten ist alles vorbei. Vor der Kirche St. Oswald in seinem Geburtsort Marktl steigt Papst Benedikt XVI. aus einer schwarzen Limousine, steuert auf die Ehrengäste und dann auf die Ministranten zu und schüttelt Hände. Als er wieder aus dem kleinen Gotteshaus mit seinem Taufstein kommt, steht das Papamobil bereit. Brauchen würde er es nicht - zum Rathaus sind es vielleicht hundert Meter. Ein spontaner Stopp noch an der bronzenen Benediktsäule, die am Freitag gerade rechtzeitig dem größten Sohn des Marktfleckens zu Ehren einzementiert wurde. Benedikt umkreist die vier Meter hohe Stele - dass er sie segnen würde, hätten sich die Marktler insgeheim gewünscht, raunt Hildegard Fickert, die den vielleicht größten Tag für die Gemeinde mitorganisiert hat. Das Geburtshaus nebenan, das tags zuvor wegen zwei blauen Farbbeuteln an der frisch getünchten Wand für helle Aufregung gesorgt hat, würdigt der Papst kaum eines Blickes.

In Marktl, kurz vor der österreichischen Landesgrenze, ist alles zwei Nummern kleiner als in Altötting oder gar in München, den ersten Stationen von Benedikts Reise durch seine bayerische Heimat. Im Wallfahrtsort Altötting ist allein das musikalische Konzept vier Seiten lang, hier trällert eine Jugendgruppe Jesus- Pop zur Begrüßung. Die 2700 Einwohner haben dem Papst zu Ehren einfach ihre roten Tücher aus den Fenstern gehängt, die jedes Jahr zur traditionellen Fronleichnamsprozession im Einsatz sind. Die Gemeindeverwaltung verkauft Fähnchen in weiß-gelben Papst-Fähnchen für zwei Euro das Stück. Unter den Ehrengästen, Lokalprominenz vor allem, sind Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm und Fürstin Gloria von Thurn und Taxis die bekanntesten Gesichter.

Im Rücken des Papstes animiert Pfarrer Josef Kaiser die 2500 auf dem Platz mit demonstrativem Klatschen zu lauterem Applaus. Das Papamobil biegt um die Ecke, auf dem Sportplatz wartet schon der Hubschrauber nach Regensburg. Der Chor singt unverdrossen weiter „Jesus Christ, you are my life“.

„Das war der größte Tag für die Gemeinde“, sagt Bürgermeister Hubert Gschwendntner. „Jetzt weiß man wenigstens, wofür die ganze Aufregung gut war“, bemerkt eine Bauersfrau, die ihren Acker als Parkplatz zur Verfügung gestellt hat und deshalb als Ehrengast geladen ist, trocken.

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