Der Dauerfavorit
Porträt: Dionigi Tettamanzi

Er ist der heißeste Favorit im Rennen um das höchste Amt der Katholischen Kirche: Kardinal Dionigi Tettamanzi (71) aus Mailand. Jahrelang arbeitete er als einflussreicher Generalsekretär der italienischen Bischofskonferenz.

HB ROM. Kritiker meinen mitunter, der kompakte und stämmige Tettamanzi lege bereits ein geradezu päpstliches Verhalten an den Tag. Als Erzbischof von Mailand kann er sich das auch leisten. Die Stadt ist nicht nur mit fast fünf Millionen Katholiken die größte Diözese Europas. Aus ihr kamen in der Kirchengeschichte auch schon etliche Päpste.

Der am 13. März 1934 in der Nähe von Mailand Geborene wurde nach Studium in Rom 1957 zum Priester geweiht, arbeitete zunächst als Seelsorger in Mailand und lehrte später Moraltheologie. Sein besonderes Interesse gilt Fragen von Ehe und Familie. „Familie, Moral, Bioethik“ heißt eines seiner Bücher. 1989 wurde er zum Erzbischof von Ancona ernannt, zog sich dort aber später zurück, um sich nationalen Aufgaben zu widmen.

Der Wechsel könnte im Nachhinein als kluger „Karrieresprung“ erscheinen: Jahrelang arbeitete er als einflussreicher Generalsekretär der italienischen Bischofskonferenz, was ihm ermöglichte, viele Kontakte zu knüpfen, die ihm heute höchst hilfreich sein könnten. Der nächste große Schritt nach oben kam 1995, als der Papst ihn als Erzbischof nach Genua schickte und 1998 in den Kardinalsrang erhob, vier Jahre später ging es nach Mailand.



Tettamanzi steht der stramm konservativen Priester- und Laienorganisation Opus Dei nahe, dennoch ist er nicht einfach einem Lager zuzuordnen. Mehrfach hat er in den vergangenen Jahren die Position linker Globalisierungskritiker unterstützt, etwa vor dem G8-Gipfel im Sommer 2001, als es am Rande zu gewalttätigen Konfrontationen zwischen Demonstranten und der Polizei kam. Zugleich gilt er ein scharfzüngiger Rhetoriker. „Ein Aids-krankes afrikanisches Kind ist mehr Wert als das ganze Universum“, meinte er einmal.

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