„Der Jan und ich sind wie zwei Seelen in einer Brust“
Der ewige Erste

Erik Zabel führt seit 100 Wochen die Rangliste der Radfahrer an – und wird doch immer nur hinter Jan Ullrich genannt.

In der DDR wäre schon Schluss gewesen. Wenn einer ihrer Stars das 28. Lebensjahr vollendet hatte, schob das System der Sieger seine Medaillenbringer meist beiseite. Ausgedient. Für Erik Zabel wäre das vor fünf Jahren gewesen. Seine größten Erfolge feierte der inzwischen 34 Jahre alte Berliner jenseits dieser willkürlichen Schallgrenze. Vier Mal den Klassiker Mailand-St. Remo gewonnen. Zwei Mal Sportler des Jahres. Sechs Mal in Folge das grüne Trikot bei der Tour de France verteidigt – ein Rekord für die Ewigkeit.

„Erik ist der Kämpfer“, sagt sein Teammanager Walter Godefroot. „Der geht nicht zur Seite.“ Trotzdem wird der Kapitän des Team Telekom in Deutschland immer nur als der ewige Zweite hinter Jan Ullrich wahrgenommen, dem Tour-de- France-Sieger von 1997.

Dabei ist es Zabel, der seit 100 Wochen die Liste der weltbesten Fahrer als Nummer eins anführt. Wieder ein Rekord: Das hat vor Zabel noch kein Fahrer geschafft. Umso mehr ärgert es ihn, dass die Tour de France – ausgerechnet das einzige Rennen, das er nicht gewinnen kann – in Deutschland gleichgesetzt wird mit Radsport als solchem. „Es gibt nur fünf Profis, die die Tour überhaupt gewinnen können. Neben Lance Armstrong und Jan Ullrich noch Joseba Beloki, Tyler Hamilton und Alexandre Vinokourov.“

Es lief alles nach Plan, seit er sich mit elf Jahren zum Radsport entschied. Der Funke sprang über, als einige Jungen aus der Parallelklasse ein Rennrad samt Trikot bekamen. Das wollte Erik auch! Zwar habe der Sohn eines erfolgreichen Radamateurs seinen Sport in den ersten drei Jahren „just for fun“ betrieben. Doch natürlich besaßen olympische Sportarten in der DDR einen anderen Stellenwert als in der Bundesrepublik: Sobald ein Talent erkannt wurde, setzte die Förderung ein, wurden Pläne geschmiedet. So auch bei Erik Zabel: Nach nur vier Wochen durfte die Medaillenhoffnung nicht mehr mit der Straßenbahn zum Training fahren, sondern erhielt ihr eigenes Fahrrad. „Als Anreiz“, sagt Zabel. Die Tour de France allerdings „war für mich als Zehnjährigen so weit weg wie die Sterne am Himmel“.

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