Der König geht spazieren
Baran – ein eher unerfreulicher Besuch

Der König plant einen Ausflug in das Nachbarreich. Eigentlich beginnt die Handlung des Strategiespiels „Baran“ von Steffen Mühlhäuser recht freundlich. Was aber klingt wie ein Höflichkeitsbesuch, ist pure Machtpolitik. Ziel des Besuchs ist nämlich nicht das Gästesofa, sondern der Thron des Nachbarkönigs.

DÜSSELDORF. Die beiden Königreiche sind bei "Baran" auf einem rautenförmigen Spielfeld untergebracht. In den jeweiligen Spitzen der Raute stehen die Könige auf ihrem Thron. Davor – zur Feldmitte hin aufgereiht – jeweils zehn langsame und vier schnelle Krieger. Nun geht es darum, mit den eigenen Kriegern dem König den Weg auf den gegnerischen Thron zu bereiten und gleichzeitig den eigenen Thron zu beschützen.

Für die Fortbewegung bedient sich Mühlhäuser verschiedener Elemente. Da gibt es die Sprünge, mit denen sich die Krieger über eigene und gegnerische Steine fortbewegen, mit denen sie aber auch Gegner vom Feld schlagen. Und dann gibt es die langen Züge der schnellen Krieger, die sich jeweils in einer Richtung ungebremst über das Brett bewegen.

Das Dilemma besteht nun darin, dass wir unsere Figuren einerseits als Schutzschild vor dem Thron benötigen, andererseits aber auch eine Gasse für den eigenen König öffnen müssen. Um Blockaden zu vermeiden, hat uns Mühlhäuser einen Schlagzwang auferlegt. Lockt ein gegnerisches Opfer, sind wir verpflichtet, unsere Verteidigung zu öffnen. Die Elemente sind geschickt kombiniert, so dass Baran ein stetes Wechselspiel aus Angriff und Verteidigung ist.

Natürlich werden wir erst einmal den Thron abschirmen, doch schon bald ist es sinnvoll, einige Krieger zu opfern, so den Verteidigungswall zu öffnen und dem König den Weg zu bahnen. Der wiederum gibt in dem Schlachtgetümmel ganz den Staatsmann. Er macht keine Kettensprünge, er schlägt auch keine Gegner – er geht einfach spazieren. Und am Ende schreitet er auf den gegnerischen Thron, schubst höchstens ganz sanft den fremden König aus dem Sessel, falls der sich noch nicht auf den Weg gemacht hat.

Bisher ging es in den Spielen von Steffen Mühlhäuser eher friedlich zu. Grundsätzlich waren das Strategiespiele, bei denen wir unsere Figuren hin und her verschieben, uns gegenseitig blockieren und durch Austricksen des Gegners bestimmte Siegkonstellationen anstreben. Andere Figuren zu schlagen, war dabei nicht angesagt. Das ist nun anders. Erstmals ist es auch möglich, gegnerische Figuren vom Feld zu werfen. Fast schon ironisch mutet dabei der gewaltfreie König an, der zwar seine Krieger in den Kampf schickt, selber aber nur auf dem Schlachtfeld spazieren geht und sich fein aus dem Gemetzel heraushält. Baran ist ein faszinierendes Strategiespiel, bei dem der Autor-Verleger wieder einmal wunderschönes Material und einen interessanten Mechanismus gekonnt zusammengeführt hat.

BaranSteffen-Spiele

2 Spieler ab 10 Jahren
ca. 30 Min
ca. 36 Euro

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%