Der Papst in Chile „Stoppe den Missbrauch, Franziskus!“

Der Pontifex befindet sich auf keiner einfachen Reise. In Chile ist das Vertrauen in die katholische Kirche wegen einer umstrittenen Bischofsernennung tief erschüttert. Papst Franziskus muss mit Protesten rechnen.
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Santiago Papst Franziskus ist zu seinem dreitägigen Besuch in Chile angekommen. Trotz eines Missbrauchs- und Vertuschungsskandals im Land säumten am Montagabend Tausende Menschen die Straßen in der Hauptstadt Santiago de Chile, um einen Blick auf den Pontifex in seinem Papamobil zu erhaschen. Verglichen mit anderen Besuchen in südamerikanischen Ländern, fielen die Menschenreihen in Chile jedoch dünn aus.

Erstmals seit Antritt seines Pontifikats 2013 ist Franziskus in Chile. Viele katholische Bürger in der Andennation sind wegen einer Entscheidung vor drei Jahren wütend, als der Papst einen Bischof ernannte, der in Verbindung zu einem Missbrauchsskandal steht: Ein Vertrauter von Bischof Juan Barros, Priester Fernando Karadima, wurde 2011 vom Vatikan für schuldig erklärt, über Jahrzehnte hinweg Dutzende Minderjährige missbraucht zu haben.

Nach Franziskus' Ankunft war ein Treffen mit Präsidentin Michelle Bachelet geplant, die ihn bereits bei seiner Ankunft am Flughafen auf einem roten Teppich begrüßt hatte. Danach fuhr Franziskus begleitet von einer Autokolonne in das Stadtzentrum von Santiago. Bei seinem dreitägigen Aufenthalt wird er Messen in Santiago, in Temuco und Iquique halten. Am Donnerstag soll er weiter nach Peru reisen.

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„Es ist nicht nur Zeit für den Papst, um Vergebung für den Missbrauch zu bitten, sondern auch zu handeln“, sagte Juan Carlos Cruz, ein Opfer Karadimas. Im Fokus der Kritik steht die Ernennung von Barros zum Bischof des Bistums Osorno. Er soll von den sexuellen Übergriffen Karadimas gewusst haben, ohne etwas zu sagen. Barros hat stets abgestritten, dass ihm die Verbrechen bekannt gewesen seien - doch die wenigsten Chilenen glauben ihm.

Für den (heutigen) Dienstag war ein Protest angekündigt. Franziskus indes sollte neben einem Treffen mit Präsidentin Bachelet auch ein Gefängnis für Frauen besuchen und eine Messe halten. Bereits am Montagabend bei seiner Fahrt durch die Hauptstadt wurde Franziskus mit Kritik konfrontiert. Einige Menschen hielten Schilder mit der Aufschrift „Stoppe den Missbrauch, Franziskus!“ nach oben. „Du kannst, also musst du!“ war auf einem anderen zu lesen.

Schon bevor der Pontifex in Chile gelandet war, forderten Aktivisten, dass bei Missbrauch durch Priester und Geistliche auch Mitwisser bestraft werden müssten. Rund 200 Menschen wohnten einer Veranstaltung dabei, die es als Ziel hatte, das Thema in den Mittelpunkt des Papstbesuches zu rücken.

„Die Menschen verlassen die Kirche, weil sie dort keinen Schutzraum finden“, sagte Juan Carlos Claret, ein Sprecher von Kirchenmitgliedern im Bistum Osorno, das gegen Barros' Ernennung protestiert. „Die Priester (als Hirten) essen ihre Herde.“

Ob sich Franziskus mit Missbrauchsopfern in Chile treffen wird, ist unklar. Eine entsprechende Zusammenkunft stand nicht auf der Agenda - Treffen mit indigenen Gruppen und Opfern der Militärdiktatur von 1973 bis 1990 hingegen schon. Zu Chile hat er eine enge Verbindung: Als Novize bei den Jesuiten studierte der geborene Argentinier dort. Im Vergleich zur Bevölkerung in den anderen 17 lateinamerikanischen Staaten hat Franziskus unter den Chilenen aber die niedrigsten Beliebtheitswerte.

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