Der Papst in Polen
Kleine Gesten statt großer Worte

Der Besuch von Papst Benedikt XVI im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau war der wichtigste Teil seiner viertägigen Reise nach Polen. Der letzte Tag des Aufenthalts im Land seines Vorgängers ist nicht geprägt von großen Worten. Es ist der Tag der kleinen Gesten.

WARSCHAU. Schweigend und in sich gekehrt geht Benedikt XVI. vom Tor mit der berüchtigten Aufschrift „Arbeit macht frei“ zur Todeswand, an der SS-Schergen Tausende Gefangene des damaligen Konzentrationslagers erschossen hatten. Seine Schritte hallen von den Mauern der Gefangenenblocks wider. Nur das Läuten einer nahen Kirche durchbricht die Stille. An der Mauer spricht Benedikt leise ein kurzes Gebet. Er weiß, dass eine laute Ansprache oder große Gesten an diesem Ort des Grauens nicht angemessen sein würden.

Der Besuch des früheren Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenaus ist der wichtigste Teil seiner viertägigen Visite in Polen. Gerade hier am Ort des größten Verbrechens des 20. Jahrhunderts sind die Blicke der ganzen Welt auf das Oberhaupt der katholischen Kirche gerichtet. Hunderte von Korrespondenten und Reportern haben sich versammelt. „Als Papst, als Christ und als Deutscher mahnt der Papst, diese Geschehnisse nie zu vergessen“, sagt Erzbischof Henryk Muszynski, eines der einflussreichsten Mitglieder des polnischen Episkopats.

Erst im Gespräch mit einer Gruppe ehemaliger Gefangener des Lagers wird die innere Erregung bei Benedikt XVI. deutlich. Und er demonstriert sogar sein Mitgefühl. Als ihm eine Frau ein Foto ermordeter Familienangehöriger zeigt, streicht er ihr über das Haar. Eine Geste, die er dann auch bei anderen Frauen wiederholt.

Auch der Besuch auf dem Lagergelände von Birkenau beginnt mit Schweigen. Benedikt bleibt vor jeder der Gedenkplatten stehen, die allen Nationen gewidmet sind, die Opfer zu beklagen haben. Es scheint, als wolle sich der Papst den Völkermord der Nationalsozialisten noch einmal eindringlich vergegenwärtigen. Dann hält Benedikt doch eine Ansprache. Diese, so Vatikansprecher Navarro, sei eigentlich nicht vorgesehen gewesen. Doch Benedikt habe darauf bestanden.

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