Der Pathos wird diesen Herbst salonfähig
Bitter-süße Tränen und emotionale Leerstellen

Ob bitter-süße Tränen beim Kinobesuch oder die wahre Liebe in kleinen Portionen beim allabendlichen Fernsehen - der Pathos, einst verpönt, wird im kühlen deutschen Herbst 2003 zunehmend akzeptiert, ja mit Genugtuung genossen.

HB HAMBURG. Den Anfang machte das Fußball-Epos vom „Wunder von Bern“. Jetzt, in der anbrechenden Vorweihnachtszeit, rollt eine immer größere Herz-Schmerz-Welle durch Kino, Fernsehen und Werbung.

Seine Tränen machten Gerhard Schröder zum Trendsetter neudeutscher Gefühlsduselei. Gerührt nahmen die Fans von bundesrepublikanischem Fußball und Film auf, dass der Kanzler bei der Geschichte des historisch-dramatischen WM-Siegs 1954 „geheult“ habe. Regisseur Sönke Wortmann frohlockte im dpa-Gespräch, das traditionell verklemmte Verhältnis der Deutschen zur Inszenierung von Gefühlen und Pathos entspanne sich derzeit.

Eine Mischung aus Enthemmung und Kuscheligkeit greift um sich: Im Fernsehen appellieren deutsche Weltkonzerne mächtig ans Gemüt, wenn in Werbespots etwa VW die „Liebe zum Automobil“ oder die Telekom „Leidenschaft“, „Lust“ oder „Träume“ beschwört. 40 Jahre nach der Rettung von elf Bergleuten ließen sich rund zehn Millionen Menschen von diesem „Wunder von Lengede“ auf SAT.1 neu bewegen. Die Kinos spenden in den kommenden Adventswochen mit Filmen Wärme wie der Romanze „Tatsächlich Liebe“ mit Hugh Grant und Heike Makatsch (Kinostart: 20. November), der irisch-britischen Familiensaga „In America“ (Start: 11. Dezember) oder der deutschen Liebesgeschichte „Tor zum Himmel“ (18. Dezember).

Seite 1:

Bitter-süße Tränen und emotionale Leerstellen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%