Der Pontifex Maximus steht in der Tradition der Ewigen Stadt
Was heißt schon Provinz ...

Wir wollen lieber keine realen Orte nennen, um uns nicht den Zorn der Lokalpatrioten zuzuziehen. Tröstlich aber ist für alle, die im fiktiven Posemuckel oder Hintertupfingen wohnen, dass der neue, wahre Global Player in Rom aus der so gern belächelten „tiefen Provinz“ stammt. Nämlich aus einem bayerischen Marktflecken.

Nun steht Joseph Kardinal Ratzinger im Zentrum. Wenn er als Papst Benedikt XVI. ans Fenster des Petersdoms tritt und die uralte Formel spricht, rückt er sich und seinen Regierungssitz wie selbstverständlich in die Mitte der Welt: „Urbi et orbi“ segnet der Bischof von Rom die Stadt und den Erdkreis.

Über der Papstkirche wölbt sich die gewaltige Kuppel, Sinnbild des Himmelsrundes. Alle Wege führten einst nach Rom, alle Macht lag dort: „Roma locuta, causa finita“ - wenn Rom geurteilt hat, ist der Spruch endgültig. Der Pontifex Maximus steht in der Tradition der Ewigen Stadt. Sie hat sich einst ein Erdenreich geschaffen, in der es nur zwei Sphären gab: Rom – und den Rest der Welt. Der war eben nur Provinz.

Wie neidisch auf den Weltherrscher in St. Peter muss da selbst der erste Mann des amerikanischen Imperiums sein, der in Washington nur auf die Kuppel des Kapitols blicken kann. Die ist – wie der globale Führungsanspruch der USA – bloß Kopie römischer Vorbilder.

Und wie unbedeutend erst muss sich der deutsche Regierungschef fühlen, wenn er aus dem Berliner Kanzleramt auf den Reichstag sieht. Dessen moderne Kuppel, aufgesetzt auf den alten Kasten aus der Kaiserzeit, kann sich wahrhaft nicht mit dem gewölbten Himmel des Petersdoms messen, weder baulich noch im symbolischen Gehalt.

Eine Weltmacht ist Deutschland nur zu seinen Wahnzeiten gewesen. Und ohnehin verkörpert der Reichstag nur die halbe Macht selbst im eigenen Land. Die Mit- und Gegenherrscher im Bundesrat versammeln sich zwar auch in Berlin, sind aber dort nicht zu Haus.

Die Fürsten des Föderalismus residieren in ihren eigenen Reichen. Es gibt in Deutschland nicht eine einzige Machtmetropole, sondern viele Herrschaftszentren. Und so existiert auch schon auf den ersten Blick keine Provinz wie im römischen Imperium und in seinem klerikalen Nachfolgereich. Da darf man dann, ohne einer Krähwinkler – mithin provinzieller – Perspektive bezichtigt zu werden, ungestraft behaupten, Berlin sei zwar Hauptstadt – aber eben längst nicht die Haupt-Stadt der Nation.

Seite 1:

Was heißt schon Provinz ...

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%