Der rettende Tunnel kann frühestens am Sonntag fertig gestellt werden
46 Kumpel in russischem Kohlebergwerk verschüttet

Die Zeit ist ihr größter Feind: In einer dramatischen Rettungsaktion graben Rettungskräfte in einem südrussischen Kohlebergwerk einen Tunnel, um 46 verschüttete Bergleute zu bergen.

HB MOSKAU. Spezialisten begannen am Freitag mit dem Bohren eines horizontalen Bergungstunnels zu den Arbeitern, die seit einem schweren Wassereinbruch am Donnerstagabend in 700 Metern Tiefe vermisst werden. Ein Lebenszeichen von den Männern fehlt. Wie die Behörden im Gebiet Rostow mitteilten, sollten gegen Abend Taucher in die teilweise überflutete Schachtanlage hinabgelassen werden. Erschwert wurden die Arbeiten durch den weiter ansteigenden Wasserpegel.

Der Tunnel müsse über 60 Meter gegraben werden und könne die Eingeschlossenen frühestens am Sonntag erreichen, teilten Experten vor Ort mit. Bis dahin werde die Atemluft an der Unglücksstelle knapp. Die vor dem Zweiten Weltkrieg eröffnete Schachtanlage, 1000 Kilometer südlich von Moskau, hatte bereits im Februar einen Wassereinbruch erlitten.

Zum Zeitpunkt des Unfalls arbeiteten 71 Männer unter Tage. Etwa 300 Meter über den Bergleuten brach eine Betonwand unter dem Druck eines riesigen unterirdischen Sees ein. Die Wassermassen stürzten nach unten. Insgesamt 25 Bergleuten gelang es, sich im letzten Moment aus der Schachtanlage „Sapadnaja“ zu retten.

„Der Wassereinbruch war gewaltig“, berichtete der Bergmann Igor Kulikow dem russischen Staatsfernsehen. „Einige von uns wurden durch den Wasserdruck mitgerissen und verletzt.“ Ein Kollege rettete sich vor den Fluten in den letzten noch funktionierenden Aufzug. „Bretter und Leitern, alles raste an uns vorbei. Es war schrecklich“, sagte der Überlebende.

Die meisten der 320 000 Bergleute in Russland müssen in völlig veraltete und gefährliche Schachtanlagen einfahren. Unfälle sind in den 113 Bergwerken des Landes keine Seltenheit. In diesem Jahr starben nach inoffiziellen Angaben mindestens 13 russische Bergleute unter Tage, mehr als 100 Männer wurden bei Unfällen verletzt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%