Der Sänger starb mit 71
"The Man in Black" starb im Alter von 71 Jahren

Amerikas überragende Country-und Folkrock-Musiker Johnny Cash ist tot. Der elffache Grammy-Gewinner, der Generationen von Musikern beeinflusste und wegen seines schwarzen Bühnen-Outfits weltweit als „The Man in Black“ bekannt war, erlag im Alter von 71 Jahren den Folgen einer schweren Diabetes.

HB NASHVILLE. Nach Angaben des Baptist Hospital in der Country-Music-Hochburg Nashville (US-Bundesstaat Tennessee) versagte Cashs Atemsystem als Folge von Diabetes-Komplikationen in der Nacht zum Freitag. Der Country-Superstar sei eine Stunde nach Mitternacht (Ortszeit) gestorben. Rundfunk- und Fernsehsender in den USA unterbrachen am Morgen ihre Programme für die Todesnachricht. Sie nahmen Hits des Country-Sängers ins Programm.

In ersten Nachrufen und Reaktionen von Fans wurde Cash als herausragender Musiker gewürdigt, dessen Werk eng mit dem Lebensgefühl von Millionen von Amerikanern verbunden sei. Hits wie „I Walk the Line“ oder „Sunday Morning Coming Down“ seien zu Hymnen der hart arbeitenden einfachen Menschen geworden, hieß es. Cash hatte in den vergangenen Jahren neben der Diabetes an einer Nervenkrankheit und wiederholt an Lungenentzündung gelitten. Er war erst am Mittwoch nach einem zweiwöchigen Krankenhausaufenthalt aus dem Baptist Hospital entlassen worden.

Elf Grammys für Cash

Im Februar hatte Cash seinen 11. Grammy für seinen Song „Give My Love To Rose“ erhalten. Bei den MTV Music Awards war er kürzlich für sein Lebenswerk geehrt worden, zu dem dutzende von Hit-Singles und Alben gehören. In unzähligen seiner Songs beschrieb Cash die Alltagssorgen kleiner Leute und ihrer Suche nach Glück. Er sang über Fließbandarbeiter ebenso wie über Gefängnisinsassen oder Soldaten.

Als „den schwersten Schlag in meinem Leben“ hatte Cash im Mai den Tod seiner zweiten Frau, June Carter Cash, beklagt. Sie gehörte ebenfalls zu den großen Country-Stars Amerikas. Mit ihr hatte Cash den Superhit „Ring of Fire“ geschrieben und den weltbekannten Song „Jackson“ aufgenommen. Der Musiker hatte die meisten seiner Titel selbst geschrieben. Er spielte aber auch legendäre Interpretationen von Songs ein, die andere Stars geschrieben hatten, unter ihnen Bob Dylan und Kris Kristofferson.

Ohne viele Kompromisse hat Johnny Cash gelebt, und seine Fans haben ihn dafür geliebt. Nach über 40 Jahren schillernder Karriere erwartete niemand mehr wirklich Bahnbrechendes von der Country-Ikone, als Cash in den 90ern ein Riesen-Comeback feierte und zu seinen traditionellen Country-Fans zehntausende neue, junge Anhänger auch in Europa fand. Cash starb am Freitag in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee an den Folgen einer schweren Diabetes im Alter von 71 Jahren.

Von langer Krankheit gekennzeichnet

Mit „American Recordings“ war es ausgerechnet ein unzeitgemäß ruhiges Album, das Cashs späten Siegeszug 1994 einleitete. Eigentlich waren nur der damals 62-Jährige und seine Gitarre zu hören, produziert von dem 30-jährigen Rick Rubin, der aber mit Country noch nie etwas zu tun gehabt hatte.

1996 brachten Cash und Rubin „Unchained“ und 2000 „American III: Solitary Man“, unter anderem mit Soundgarden- und Nick-Cave-Liedern, heraus - Erfolge im Heute, den andere Säulenheilige des Country wie Willie Nelson, Waylon Jennings oder Merle Haggard so nicht hatten. Cash bekam jubelnde Rezensionen für seinen schnarrenden, abgeklärten Gesang. Scheinbar unverwüstlich nahm der Mann in Schwarz im Frühling 2002 26 Songs für das ein halbes Jahr später erschienene Rubin-Album „The Man Comes Around“ auf. Im Februar 2003 erhielt Cash seinen 11. Grammy-Preis als bester Countrysänger für den Song „Give My Love To Rose“. Kurz vor seinem Tod wurde er noch von MTV für sein Video „Hurt“ ausgezeichnet, das den Sänger von langer Krankheit gezeichnet zeigt.

"Man in Black"

Zum 70. Geburtstag 2002 waren alte Cash-Platten wie „Ragged Old Flag“ oder „America“ und die Compilation „Man in Black“ neu erschienen. Rund 40 Alben hatte Cash seit 1955 vorgelegt, bei Elvis Presley hat er gespielt, Hits wie „Ring Of Fire“ oder „A Boy Named Sue“ gemacht, Live-Alben in brodelnden US-Gefängnissen, religiöse und Kinderplatten sowie Sprechalben zur US-Geschichte - ein ausuferndes Werk. Was es verband, war die Haltung des dunkel gekleideten „Man in Black“.

Cash sagte einmal über die Zustände im Country-Business: „Ich war es so leid, mir all das demographische Gerede anhören zu müssen über den „neuen Country-Fan“, das „neue Marktprofil“ und all die anderen Trends, die angeblich gegen mich arbeiteten.“ Als einer der ganz wenigen Unabhängigen wurde Cash geliebt - in einer Szene voller Kommerz und Wiedererkennbarkeit. Gleichzeitig verscherzte er es sich bei seinen Auftritten allerdings auch nie mit seinen klassischen Country-Fans. Glaubwürdigkeit sprach dem Mann aus Amerikas Süden deshalb niemand ab.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%