Der „Schlächter der Cosa Nostra“
Hafturlaub für 100-fachen Mafia-Killer

Wegen „guter Führung“ bekommt einer brutalsten Mafia-Bosse Italiens, der nach eigenen Worten mehr als 100 Morde begangen oder in Auftrag gegeben hat, Hafturlaubt. Giovanni Brusca, der „Schlächter der Cosa Nostra“ sitzt seit 1996 in Haft.

HB ROM/PALERMO. Der heutige Kronzeuge Brusca sei schon mehrfach in diesem Jahr mit seiner Familie zusammengetroffen, berichteten italienische Medien am Mittwoch. Aus Furcht vor Racheakten finden die Treffen stets an einem geheim gehaltenen und streng bewachten Ort statt, hieß es. Allerdings stößt die Vergünstigung auf Widerspruch: „Das ist nur noch schwer zu verstehen“, kritisierte eine Organisation von Angehörigen der Mafiaopfer.

Dagegen wandte der Anwalt des Sizilianers Brusca ein, bei den Treffen handele es sich „nicht um vergnügliche Tage mit Schwimmen im Swimmingpool“. Die Begegnungen seien sehr kurz, stets seien schwerbewaffnete Polizisten in der Nähe. Einmal habe der Killer seine Frau und seinen elfjährigen Sohn etwa in einer Kaserne getroffen. Wie die italienischen Medien weiter berichteten, hatten die Richter erlaubt, dass der 47-jährige Brusca alle 45 Tage aus der Haft dürfe.

Brusca ist unter anderem für das Attentat auf den Mafia-Jäger Giovanni Falcone verantwortlich, das 1992 ganz Italien erschütterte. Eine Schwester Falcones reagierte mit Verbitterung auf die Erlaubnis zum Ausgang: „Man verliert das Vertrauen in die Justiz.“ Die Sonderbehandlung ist vor allem durch die Zusammenarbeit mit der Justiz zu erklären: Brusca gilt als weitaus wichtigster Kronzeuge im Kampf gegen die Mafia.

Weil er das „Gesetz des Schweigens“ brach, gingen Dutzende mächtige Mafiosi ins Netz. Aus Furcht vor Vergeltung muss seine Familie mit einem anderen Namen an einem geheim gehaltenen Ort leben. Zugleich erinnerte das italienische Fernsehen an eines der grausigsten Verbrechen, das der spätere Überläufer Brusca selbst in Auftrag gab: So wurde der elfjährige Sohn eines Mafia-Kronzeugen entführt und ermordet - und seine Leiche in Salzsäure aufgelöst. Brusca bekam allein dafür 30 Jahre Haft.

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