Designerhunde
Maßgefertigte Mischlinge

In den USA sind sie längst der Renner an der Leine: Designerhunde. Immer verrücktere Züchtungen sollen zu Haus und Handtasche passen. Umweltschützer schlagen Alam, da die Hunde immer häufiger an Missbildungen leiden. Doch die Entwicklung lässt sich schwer aufhalten. Jetzt gibt es die bellenden Statussymbole auch in Deutschland.

HB. Chiweenie, Puggle, Labradoodle oder Schnoodle – was sich anhört wie eine Ansammlung überspannter Teletubbies mit Identitätskrise, ist der fleischgewordene Modeschrei made in USA, wo man ausgefallene Hunde als Fashion-Accessoires entdeckt hat. Nachdem Toyota Prius und Co. den Hybridantrieb salonfähig gemacht haben, ist auch der Hybrid-Hund begehrt wie nie. Keine neuen Rassen, sondern Züchtungen, bei denen, freilich streng nach den Mendel’schen Regeln, zwei anerkannte Rassen gekreuzt werden. Planvoll, was denn den Designerhund vom puren Mischling unterscheiden soll und was entsprechende Ergebnisse liefert, die zum Lebensstil des Hundehalters passen. So wird allergiearmes Fell mit Familienfreundlichkeit oder Pfiffigkeit gepaart. Und da es Hunderassen in verschiedenen Formaten gibt – den Pudel zum Beispiel als Groß-, Klein-, Zwerg-, Toy- und Teacuppudel –, sind auch Mischungen in unterschiedlichen Größen möglich. Verschiedene Farben sowieso. Der Trend geht zum Maßhund.

Rambo-Darsteller Sylvester Stallone ließ sich einen Puggle – eine Mischung aus Mops (englisch Pug) und Beagle – in die Mansion in Bel Air anliefern und bestellte sogleich einen zweiten, in etwas hellerem Ecru, hinterher, möglicherweise weil der farblich besser zum neu verlegten Teppichboden passte. Rambos doppelter Hundekauf liegt schon einige Zeit zurück. Und der Puggle-Käufer müsste sich sorgen, ob er denn noch voll im Trend liegt, denn der Puggle, Designerhund der ersten Stunde, gilt unter Hollywood-Insidern doch als „so yesterday“.

Die Jessica Simpsons dieser Welt, die Paris Hiltons und Britney Spears trauen sich ohne den ins Prada-Täschchen maßgeschneiderten Malti-Poo (Malteser+Pudel) oder den griffigen Chiweenie (Chihuahua+Dachshund) – stylistisch perfekt abgestimmt, natürlich – nicht mehr vor die Kameras der wartenden Paparazzi. Hunde, die in Teetassen passen, feiern fröhliche Urstände auf Beverly Hills’ Nobelmeile des Robertson Boulevards. Vor allem dann, wenn der Accessoirehund ohne kläffende Widerrede auch mal mit in die Edel-Disko mitgenommen werden kann und sich dortselbst gar allerliebst und fotogen mit Beluga-Schnittchen und Cristal füttern lässt.

Eine Entwicklung, die traditionellen Rassehundezüchtern nicht unerheblich die Lust aufs Chappi verdirbt. Und die auch amerikanische Tierschützer auf den Plan ruft. „Hunde werden auf Bestellung gezüchtet. Das ist ein besorgniserregender Trend“, ließ ein Sprecher der RSPCA (Society for the Prevention of Cruelty to Animals) verlautbaren. „Die Organe der Mini-Hunde sind zu klein, um funktionieren zu können, die Tiere können nur noch über Kaiserschnitt gebären, und ihre winzigen Mäuler sind mit Zähnen überfüllt.“ Das hätte zur Folge, dass die Hunde zunehmend an Missbildungen eingehen.

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