Deutliche Worte in Predigt
Strenger Papst enttäuscht die Polen

Papst Benedikt XVI. hat am Freitag in Warschau erstmals seit seinem Amtsantritt wieder Strenge gezeigt und mit deutlichen Worten eindringlich vor Abweichungen im Glauben gewarnt. Viele Polen hätten dabei lieber etwas anderes gehört.

HB WARSCHAU. Bei einer Messe in Warschau forderte der in Deutschland geborene Papst am Freitag die Gläubigen dazu auf, fest zur Tradition der Bibel und der Kirche zu stehen, „auch wenn es manchmal schwer verständlich ist“. Die überlieferten Worte des Religionsstifters Jesus Christi dürften keinesfalls verfälscht werden, mahnte Benedikt vor mehr als 300 000 Gläubigen bei strömenden Regen auf dem Pilsudski-Platz im Zentrum der polnischen Hauptstadt. Niemand dürfe das Evangelium verändern, weil es „seiner Meinung nach zu beschwerlich für den modernen Menschen ist“.

Es war das erste Mal seit seiner Wahl im April vergangenen Jahres, dass der Papst derart klare Worte fand, zur „Glaubenstreue“ mahnte und vor Abweichungen warnte. Der „alte Ratzinger“, der einstige „oberste Glaubenshüter“ des Vatikans, der sich selbst gerne „Mitarbeiter der Wahrheit“ nannte, war wieder zu erkennen. „Dabei hätten die Menschen viel lieber gehört, dass ihr geliebter Johannes Paul II. bald selig gesprochen wird“, meinte ein vom Regen durchnässter Pole am Rande der Messe.

„Papst soll die Gefühle rühren“

Die meisten polnischen Gläubigen wollen vor allem, dass der deutsche Papst an ihre Gefühle rührt. Er solle viel Polnisch sprechen, und oft an seinen Vorgänger Johannes Paul II. erinnern, wünscht sich einer Umfrage zufolge die Mehrheit. Für viele Polen ist deshalb die „sentimentale Reise“, der Besuch im Geburtshaus Karol Wojtylas in der südpolnischen Kleinstadt Wadowice am Samstag, der emotionale Höhepunkt der Pilgerfahrt - wichtiger als der Besuch des deutschen Papstes in Auschwitz, dem ehemaligen Vernichtungslager und Symbol des nationalsozialistischen Terrors, am Sonntag.

Weitaus größer als nach der strengen Predigt war daher auch der Beifall, als Benedikt nach der Messe in Warschau durch die jubelnde Menge ging. Endlich hatte es kurz aufgehört zu regnen - und hunderte versuchten, den Papst zu berühren, während muskulöse Sicherheitsbeamte alle Mühe hatten, für Ordnung zu sorgen.

Johannes Paul lockte mehr Polen

Zur Messe von Papst Johannes Paul bei seinem ersten Besuch in Polen kamen im Jahr 1979 rund 300 000 Menschen auf den Pilsudksi-Platz, die Menge in den angrenzenden Straßen wurde auf 750 000 geschätzt. Ganz so viele waren es am Freitag nicht. Benedikt sprach auf einer vier Meter hohen Plattform, darüber war ein 25 Meter hohes Kreuz errichtet. Am Ende des Gottesdienstes brach die Sonne zwischen den Wolken hervor und viele Gläubige schwenkten die Flaggen Polens und des Vatikans.

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