Deutsche Meisterschaften im Hirschrufer
Wenn der Hirschruf wie eine Kreissäge klingt

Wie unterscheiden sich die Laute eines suchenden Hirsches, der von zwei gleichstarken Hirschen und der Schrei eines siegreichen Hirsches nach dem Kampf? Diese drei Rufarten müssen die passionierten Jäger bei den Deutschen Meisterschaften der Hirschrufer beherrschen. Doch im schlimmsten Falle besteht Verwechslungsgefahr mit Nachbars Kreissäge.

HB DORTMUND. Dumpf vibrierend dröhnt der laute Ruf des Hirsches durch die Luft. Doch kein Wald und auch kein Zoo ist der Schauplatz des Brunftgeschreis, sondern die Dortmunder Jagdmesse Jagd & Hund. Die Deutsche Meisterschaft der Hirschrufer steht am Freitag auf dem Programm und neun rotwildkundige Jäger haben sich zum Wettröhren eingefunden. Am Ende siegt der Titelverteidiger: Der Forstwirt Tasso Wolzenburg aus Hilchenbach in Nordrhein-Westfalen ahmt die liebestollen Tiere am besten nach.

Der stets leicht belächelte Wettbewerb hat einen ernsten Hintergrund, sagt Karolin Heinrigs von der Messegesellschaft Westfalenhallen: „Die Kunst, den Hirsch zu rufen, hat eine jahrhundertelange Tradition.“ Mit Hilfsmitteln wie speziellen Ochsenhörnern, Schneckengehäusen oder Glaszylindern werde dabei versucht, den Hirsch aus der Deckung zu locken. „So kann der Jäger beurteilen, ob der Hirsch den Abschussrichtlinien entspricht und er ihn erlegen darf.“

„Die Methode funktioniert“, sagt der 40-jährige Meisterrufer. Er lebe in einem Wald in einem guten Rotwildgebiet. Wenn er während der Brunftzeit ab Mitte September vor die Tür gehe und mit seinem Hirschrufer aus Plastik den Ruf imitiere, „schreien im Nu drei oder vier Tiere zurück. Das ist gigantisch“. Schon seit 20 Jahren beschäftigt sich Wolzenburg damit. „Ich habe mir das von den Tieren abgeguckt.“

Die spezielle Vorbereitung auf die Meisterschaft geschah jedoch im heimischen Wohnzimmer. Jeden Abend im Januar habe er ein einstündiges Video mit den Brunftschreien gesehen. „Ich habe mitgeröhrt. Meine Frau ist dann immer aus dem Zimmer geflüchtet.“ Bei dem Wettstreit in einer Dortmunder Messehalle flüchtet niemand. Mehrere hundert ebenso fachkundige wie olivgrün gekleidete Zuhörer verfolgen das archaisch anmutende akustische Spektakel.

Mancher Ruf der Kontrahenten gerät dabei arg laut. Mitunter klingt es eher wie das Husten eines Hirsches. Im schlimmsten Fall erinnern die Geräusche ein bisschen an Nachbars Kreissäge oder ein schreiendes Kälbchen. Meistens klingen die Töne aber glaubhaft echt. Entsprechend wenig wird gelacht und sogar die mitgebrachten Hunde der vielen Jäger sind lieber ruhig. Nun freut sich Wolzenburg auf die Europameisterschaften in Salzburg Ende Februar. Im vergangenen Jahr konnte er nicht daran teilnehmen. Dieses Mal hofft er auf einen Platz unter den besten fünf.

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