Deutsche Verlage auf der Buchmesse in Peking
Zwischen Markt und Mao

Eine politische Gratwanderung: Erstmals präsentiert sich Deutschland als Gastland auf der Pekinger Buchmesse. Im Gegenzug wird China 2009 Gastland in Frankfurt. Es ist ein schwieriger Spagat, den die Frankfurter zehn Jahre lang verhandelt haben. Denn der verlegerische und literarische Schulterschluss zwischen den beiden Welten ist keineswegs eine leichte Sache.

PEKING. Sogar eine Gutenberg-Buchpresse wurde nach China verschifft. Sie soll auf der Pekinger Buchmesse, die gestern eröffnet wurde, an deutsche Drucktradition erinnern. Das historische Stück schlägt aber auch eine Brücke ins Reich der Mitte: Aus China stammen die ersten schriftlichen Zeugnisse über Buchdrucke.

Deutschland ist dieses Jahr Gastland auf der wichtigsten chinesischen Buchmesse und hat eine Überkreuz-Partnerschaft vereinbart: 2009 wird China Gastland auf der Frankfurter Buchmesse. Es ist ein schwieriger Spagat, den die Frankfurter zehn Jahre lang verhandelt haben.

„Die staatliche Kontrolle kann nicht umgangen werden“, stellt die Frankfurter Buchmesse zu China nüchtern fest. Ein Buch kann auf dem chinesischen Markt nur mit einer Lizenznummer erscheinen, die von einem der staatlichen Verlage vergeben wird. Und jedes Buch unterliegt vor Veröffentlichung der Zensur. Da wird die Rolle als Gastland auf der Pekinger Buchmesse schnell zu einer politischen Gratwanderung. Und so war es wohl eher politische Vorsicht als der volle Terminkalender, dass Kanzlerin Merkel dem Wunsch, die Pekinger Buchmesse zu eröffnen, nicht folgte. Sie reiste kurz vorher ab – sehr zum Ärger der Chinesen.

Es gebe in China nicht das Verständnis von Medien als „öffentlichem Gut“, sagt die Kommunikations-Professorin Zhao Yuezi. Schon in der frühen Kaiserzeit stand die Literatur im Dienst der Mächtigen, vor allem unter der KP fand aber später die Verschmelzung von Literatur und Macht statt. Medien seien „das Sprachrohr der kommunistischen Partei Chinas“, stellte einst Staatschef Mao Zedong klar.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass es immer mehr kleinere und privat finanzierte Verlage gibt, die ihr Buchprogramm nicht mehr nach politischen Vorgaben, sondern an den Kundenwünschen ausrichten. Kritische Bücher will keiner verlegen, sagt Expertin Zhao. Und so kennen Chinesen meist aus Deutschland nur Klassiker wie die Brüder Grimm, Schiller, Heine und Goethe.

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