Deutscher Kardinal gilt als streng konservativ
Ratzinger fordert Maulkorb für Kardinäle

Der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger verlangt nach Medienberichten ein "Schweigegebot" seiner Amtskollegen vor der Papstwahl.

HB ROM. Kurienkardinal Ratzinger (77), nach dem Papsttod mächtigster Mann im Vatikan, will die Papstwähler zum völligen Schweigen verurteilen. Nach italienischen Presseberichten hat er seine Kardinalskollegen aufgerufen, schon vor Beginn des Konklave (Papstwahl) Journalisten Interviews zu verweigern. Allerdings vergeblich, mehrere Purpurträger hätten sich offen widersetzt, verlautete am Donnerstag.

Ratzinger, den italienische Medien wegen seiner deutschen Herkunft mitunter als „Panzerkardinal“ titulieren, ist die entscheidende Figur in der „Zeit zwischen den Päpsten“: Er leitete die Totenmesse und die Beerdigungs-Zeremonie an diesem Freitag, er verliest das Papst- Testament, er führt den Vorsitz der täglichen Kardinalssitzung im Vatikan. Vor allem aber: Er leitet die Papstwahl.

Laut Kirchenrecht müssen die Purpurträger zwar während des Konklave, das am 18. April beginnt, von der Außenwelt völlig abgeschirmt sein. Doch „Schweigegebot“ schon vorab? „Wie sollen wir das machen?“, protestiert ein Kollege. „Journalisten einfach nicht antworten?“, sagte er der Zeitung „Corriere della Sera“. Ein anderer meint, man dürfe das riesige Interesse nicht einfach enttäuschen - „schon um des Papstes Willen nicht“.

Wie es heißt, wollen sich die Kirchenführer in der leidigen Frage auf eine „mittlere Linie“ einigen: Interviews ja, aber nur zu den Themen toter Papst, seinem geistlichen Erbe sowie zu Fragen der Kirche und ihrer Zukunft. Die berühmte „K-Frage“ - Wer hat die besten Chancen? Wer wird neuer Papst? - müsse dagegen ohne Antwort bleiben.

Viele sehen Ratzinger selbst als „papabile“, als möglichen Nachfolger Johannes Pauls. Viele Jahre war Ratzinger engster Vertrauter des Polen, beide gelten in Kirchenfragen als strikt konservativ. Aber eigentlich hegt Ratzinger, der mitunter gesundheitliche Probleme hat, ganz andere Wünsche: Er will gerne in seine bayerische Heimat zurück und ein weiteres Buch schreiben.

Die Mehrheit der Deutschen erwartet einer Umfrage zufolge vom neuen Papst verstärkt innerkirchliche Reformen, etwa mehr Gleichberechtigung der Frauen oder die Aufhebung des Eheverbots für Priester. Das ist das Ergebnis einer am Donnerstag in Köln veröffentlichten repräsentativen Umfrage des Instituts Infratest dimap im Auftrag der ARD-„Tagesthemen“. Diese Forderungen, die der gestorbene Papst Johannes Paul II. stets zurückgewiesen hatte, unterstützen demnach fast 90 Prozent der 1000 Befragten.

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