Deutscher Schaustellerbund: Wie die Zukunft der Kirmes aussieht

Deutscher Schaustellerbund
Wie die Zukunft der Kirmes aussieht

In Bonn kommt das Schaustellergewerbe zusammen, um über die Lage der Volksfeste zu diskutieren. Es geht um die neue Sicherheitsdebatte und die Frage, wer in digitalen Zeiten noch einen Rummelplatz zum Flirten braucht.
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BonnDie deutsche Kirmes ist ein Hort der Beständigkeit. Grellbunte Karusselle, 90er-Jahre-Techno am Autoscooter, der Geruch von brutzelnden Nackensteaks – das grundsätzliche Arrangement auf Rummelplätzen hat sich seit vielen Jahren so gut wie nicht verändert. Für die Welt drumherum gilt das leider nicht ganz, wie spätestens der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt gezeigt hat.

Die neue Frage nach der Sicherheit ist die aktuellste Debatte, die geeignet ist, am Wesenskern deutscher Kirmes-Gemütlichkeit zu rütteln. Wie entspannt kann ein Fest noch sein, das versucht, sich gegen jede denkbare Gefahr abzuriegeln? Zugleich ist es nicht die einzige: Kostendruck, das Sterben kleinerer Volksfeste, die Digitalisierung – all das zu ignorieren, ist wohl keine Option. „Die Käseglocke wird nicht der Weg sein“, sagt Frank Hakelberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Schaustellerbundes (DSB).

Für die Branche, die sich von Donnerstag an (12. bis 14. Januar) in Bonn mit etwa 500 Delegierten trifft, gibt es jedenfalls mehr als genug Gesprächsstoff. Der DSB erwartet rund 1300 Gäste. Es sei „das größte Schaustellerjahrestreffen weltweit“.

Der Anschlag in Berlin mit zwölf Toten und vielen Schwerverletzten wirkt dabei deutlich nach. „Überall werden Sicherheitskonzepte überdacht“, sagt Hakelberg. Er rechnet fest damit, dass es in der neuen Volksfest-Saison mehr Betonpoller geben wird.

Gleichzeitig besteht aus Sicht der Schausteller die Gefahr, bei den Sicherheitsvorkehrungen über das Ziel hinaus zu gehen. „Aus Festen dürfen keine Festungen werden“, sagt Verbands-Präsident Albert Ritter. Eine komplette Umzäunung aller Kirmesplätze kann sich der DSB nicht vorstellen. Nicht nur, weil das den Charakter des Festes verderben könnte, sondern auch, weil dann neue Gefahren drohten – etwa bei den Fluchtwegen.

Die Branche macht sich zudem Sorgen, dass Kommunen auf die Idee kommen könnten, die Mehrkosten komplett auf die Schausteller umzulegen. Es gehe in der Debatte ja nicht um eine Gefahr, die aus einer Kirmes heraus entstehe, argumentiert Geschäftsführer Hakelberg. Die komme von außen. Das sei daher eine hoheitliche Aufgabe.

Um die Stimmung und den Zulauf auf den Volksfesten sorgt er sich gleichwohl nicht. Nach dem Anschlag hat er sich bei Budenbetreibern umgehört. „Sie haben von vielen Gesprächen mit ihren Gästen berichtet, bei denen die Leute den Glühwein in der Hand hatten und sagten: Jetzt erst recht.“ Er glaubt, dass sich der Gedanke durchsetzt, sich den Spaß nicht nehmen zu lassen.

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„Leute wollen nicht nur Rohkost“

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