Deutschland entsendet Erdbebenspezialisten
Zahl der Erdbebenopfer in Algerien steigt dramatisch

Zwei Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Algerien wird allmählich das ganze Ausmaß der Katastrophe sichtbar: Nach einer Bilanz vom Freitag des algerischen Innenministeriums sind mindestens 1 500 Menschen getötet und 7 200 Menschen verletzt worden.

HB ALGIER. Die Suche nach Überlebenden unter den Trümmerbergen ging weiter. Dabei wurde die internationale Hilfe für das betroffene Gebiet um die Hauptstadt Algier verstärkt. Bislang hatten die Rettungskräfte etwa 1 100 Tote geborgen. Hunderte werden noch unter den Schuttbergen vermisst.

Deutschland hat zusätzliche Erdbebenspezialisten des Technischen Hilfswerks entsandt. Auch Helfer des Deutschen Roten Kreuzes sind vor Ort, um mit Rettungshunden bei der Suche und der Bergung zu helfen. Zahlreiche Opfer werden noch unter den vielen zerstörten Wohnblocks befürchtet. Auch Neubauten sind eingestürzt. Tausende Menschen hatten erneut die Nacht im Freien verbracht oder schliefen in Zelten und Autos. Die Angst vor einem neuen Beben ist groß.

Auch Frankreich und andere europäische Länder sowie Japan haben Rettungsteams in das Krisengebiet entsandt, wo nicht genügend Hilfsmittel für die Suche und die Betreuung von Verletzten zur Verfügung stehen.

Versorgung mit Strom und Wasser unterbrochen

Telefonisch ist das Katastrophengebiet fast völlig von Europa abgeschnitten, da durch die Erschütterungen auch Unterseekabel gekappt oder beschädigt wurden. Spezialisten versuchen, eine Umleitung über Nachbarländer und Satelliten herzustellen. In vielen Gegenden ist die Strom- und Wasservorsorgung weiterhin unterbrochen. Das DRK bereitet nach eigenen Angaben zur Zeit eine Luftbrücke von Deutschland nach Algerien vor. Zusätzlich sollte noch am Freitag ein komplettes mobiles Krankenhaus des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in einem von der Bundesregierung gecharterten Antonow-Transportflugzeug von Köln nach Algier gebracht werden, sagte eine DRK-Sprecherin. Die Türkei schickte am Freitag ebenfalls ein 21 Mann starkes Rettungsteam und Hilfsgüter in das Krisengebiet.

„Das ist eine nationale Katastrophe“, sagte Regierungschef Ahmed Ouyahia beim Besuch eines zerstörten Stadtteils in Algier. Er hob die Solidarität der Bevölkerung hervor: „Alle kämpfen um die Überlebenden - Helfer, Retter, Feuerwehrleute und das Militär.“ Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika hatte drei Tage Staatstrauer angeordnet. Unterdessen beklagten sich Obdachlose über die mangelhafte Versorgung. Eine Frau sagte Reportern im Erdbebengebiet, sie habe für ihre ganze Familie nur zwei Flaschen Wasser erhalten.

Schlamperei bei Überwachung von Bauvorschriften

Auch wegen ungenügender Überwachung der Bauvorschriften in den dicht besiedelten Städten geraten die Behörden in Kritik. Medien werfen ihnen Schlamperei und Fahrlässigkeit vor. Vielerorts würden in den rasch wachsenden Neubausiedlungen Vorschriften nicht eingehalten und es gebe zu wenige Kontrollen, warfen Medien der Verwaltung vor. Mancherorts wurden Häuser komplett zerstört, während Nachbarhäuser das Beben heil überstanden.

Die Erschütterungen vom Mittwochabend hatten eine Stärke von 6,7 auf der Richterskala. Sie waren die verheerendsten in der seismisch aktiven Region seit mehr als zwei Jahrzehnten. Am schwersten betroffen ist die Region um die Hauptstadt Algier im Norden und der Verwaltungsbezirk Boumerdès etwa 30 Kilometer östlich.

Das Epizentrum des letzten schweren Bebens in Algerien vom Oktober 1980 lag nur rund 200 Kilometer vom jetzigen Erdbebenzentrum entfernt bei El-Asnan südwestlich der Hauptstadt. Damals waren nach unterschiedlichen Angaben bis zu 5 000 Menschen ums Leben gekommen.

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