Deutschland in Versorgungssicherheit weltweit führend
Risiko langen Stromausfalls in Deutschland gering

Ein Flächen deckender Stromausfall über mehrere Stunden wie in den USA ist nach Ansicht von Energieexperten in Deutschland unwahrscheinlich. Das Stromnetz in den USA ist weitmaschiger als in Europa, deshalb kann es dort bei Problemen schneller als in Deutschland zu Überlastungen kommen.

Reuters DÜSSELDORF. "Wenn es in Nordamerika Probleme in einem Streckenabschnitt des Stromnetzes gibt, kann es schneller als in Deutschland zu Überlastungen der Alternativstrecken kommen", sagte Joachim Vanzetta, Leiter der Systemführung beim Netzbetreiber RWE Net, am Freitag.

„Dadurch entsteht ein Dominoeffekt, der in Sekundenschnelle große Flächen dunkel machen kann“, fügte er hinzu. In Deutschland gebe es in den Überlandnetzen durch die engere Vermaschung mehr so genannte Redundanzen, also Ersatzwege für den Stromfluss durch andere Teilstrecken der Netze.

Grundsätzlich wollte Vanzetta aber nicht ausschließen, dass in Deutschland großflächig die Lichter ausgehen: „Die Systeme sind physikalisch wie elektrotechnisch hier wie dort dieselben.“ Der Wettbewerb veranlasse die Netzbetreiber in Deutschland zum Kostensparen. Daher gehe die Tendenz dahin, die Redundanzen im Netz zu verringern, mit entsprechend höheren Ausfallrisiko.

In Teilen der USA und Kanadas hatte am Donnerstag der größte Stromausfall in der Geschichte Nordamerikas zu teilweise chaotischen Zuständen geführt. Millionen Menschen waren an der Ostküste stundenlang ohne Strom.

Der Stromausfall in den USA sei höchstwahrscheinlich durch ein Übertragungsproblem und nicht durch ein Problem bei Kraftwerken verursacht worden, sagte Vanzetta. Große Netzüberlastungen führten aber automatisch dazu, dass Kraftwerke ihre Leistungen verringerten beziehungsweise die Stromerzeugung einstellten. In den USA waren nach dem Stromausfall neun Atomkraftwerke vorübergehend abgeschaltet worden.

Deutschland in der Versorgungssicherheit weltweit führend

In Deutschland kann nach Einschätzung von Johannes Ewers, einem Kraftwerksexperte beim Braunkohleunternehmen Rheinbraun, ein Leistungsausfall bei einem oder zwei großen Kraftwerken keinen längeren Stromausfall verursachen. „Selbst wenn zwei große Kraftwerke mit jeweils 1000 Megawatt Leistung ausfielen, führte das mit den Regelmöglichkeiten im Netz nicht schlagartig zu einer Stromunterbrechung.“

Die energiepolitische Sprecherin der Grünen, Michaele Hustedt, sagte im SWR, in Deutschland stünden bei Leistungsausfällen einzelner Kraftwerke im Notfall genügend Ersatzkapazitäten zur Verfügung. Auch Utz Claassen, Vorstandschef des Stromversorgers EnBW , sieht keinen Anlass zur Sorge. Deutschland sei in der Versorgungssicherheit weltweit führend, sagte er am Freitag in der ARD. „Von daher sind wir zuversichtlich, dass hier so was nicht entstehen wird.“ Neben EnBW betreiben noch die drei Energiekonzerne Eon, RWE und Vattenfall Europe Überlandnetze.

Deutschland ist nach einer Untersuchung des Rates der europäischen Energieregulatoren die sicherste Netzregion in Europa. Stromkunden müssten hier zu Lande im statistischen Mittel nur mit 15 Minuten Stromausfall im Jahr rechnen. In Frankreich habe dieser Wert bei der letzten Erhebung 1999 etwa 57 Minuten betragen. Ein Italiener war im Schnitt zweieinhalb Stunden im Jahr ohne Strom.

Die deutsche Stromwirtschaft hat in den zurückliegenden Jahren Milliardensummen in die Instandhaltung der Strominfrastruktur investiert. In Europa sind die Stromnetze seit 1951 miteinander verbunden. Die europäische Vereinigung der Übertragungsnetzbetreiber UCTE setzt die Sicherheitsstandards, die eine reibungslose Stromversorgung gewährleisten soll.

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