Deutschland rangiert in der Mitte
Abtreibungsrate sinkt leicht

Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland ist im ersten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen.

HB WIESBADEN. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Montag in Wiesbaden mitteilte, wurden in den ersten drei Monaten 33 000 Abtreibungen gezählt. Das sind 400 und damit 1,3 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2003.

Seit der Einführung eines neuen Erhebungsverfahrens 1996 ermittelt das Destatis jedes Jahr rund 130 000 Abbrüche. Knapp drei Viertel der betroffenen Frauen (71 Prozent) waren nach Angaben der Statistiker zwischen 18 und 35 Jahre alt, etwa die Hälfte (44 Prozent) war verheiratet. Rund 59 Prozent der Frauen hat bereits Kinder. Fast alle Eingriffe wurden nach der gesetzlich vorgeschriebenen Beratungsregelung vorgenommen, nur zwei Prozent wurden medizinisch oder kriminologisch begründet. Leichte Veränderungen gab es bei der Art der Abbrüche. So wurde fast jede 14. Abtreibung mit „Mifegyne“ eingeleitet, der so genannten Pille danach. Dies bedeutet einen Anstieg von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Die relativ konstante Zahl der Schwangerschaftsabbrüche deutet Norma Skroch, Leiterin der Beratungsstelle „pro familia“ in Darmstadt, als ein Zeichen für gelebte Sexualität. „Die deutschen Frauen gehen sehr rational mit Verhütung um, aber manchmal ist die Lust eben größer als die Bedenken.“ Außerdem gebe es nach wie vor Verhütungspannen. Eine Rolle spielt für Skroch auch die wirtschaftliche Situation: „Viele Frauen fürchten in den ersten Berufsjahren, dass ein Kind das Aus für ihre berufliche Laufbahn bedeuten könnte.“

Im internationalen Vergleich nehme Deutschland bei der Zahl der Abbrüche einen Mittelplatz ein. Bedenklich sei allerdings die stetig steigende Zahl von Abtreibungen bei Minderjährigen. Sie lag nach Angaben des Destatis im ersten Quartal bei 6 Prozent. „Dabei spielt sicher fehlende Aufklärung eine Rolle“, sagte Skroch. In der Hochphase der Aids-Informationskampagnen seien die Jugendlichen besser informiert gewesen. Dieser Stand müsse wieder erreicht werden.

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