Deutschlands berühmtester Weltumsegler, Wilfried Erdmann, packt auch mit 65 Jahren immer wieder das Fernweh
Allein um die Welt

Wilfried Erdmann hatte sich mit 18 Jahren in ein Boot verliebt. Damals reifte in ihm die Idee, mit dem Segelboot zu reisen, frei und unabhängig. Heute ist Erdmann mit seinen 65 Jahren der berühmteste deutsche Weltumsegler. Und er will weitermachen.

Warum nicht mal mit dem Anfang beginnen? Aufgewachsen ist Wilfried Erdmann in Pommern, geboren 1940 in den Krieg hinein. Spielzeug gab es nicht. Im Wald sei er groß geworden, erzählt Deutschlands berühmtester Weltumsegler. "Unwahrscheinlich gut" konnte er Bäume hochklettern. Mutproben unter Gleichaltrigen? Nein, die habe es nicht gegeben. "Ich war viel allein." Schon damals. Allein, aber nie einsam.

Und seine Vorliebe fürs Wasser? Erst spät, mit zwölf konnte er schwimmen. "Das Meer habe ich erst viel später gesehen." Er war gerade 18 geworden und ist mit dem Fahrrad auf seine erste Reise aufgebrochen. Nach Indien. Allein. Natürlich. Das Reisen war beschwerlich: Unterkunft suchen, Essen, alles mitschleppen.

In einem Hafen hat er sich verliebt, in ein Boot, ja, und in die Idee, künftig anders zu reisen, freier, leichter, unabhängiger. Dafür sparte er jeden Pfennig. Jahre später steckte er sein ganzes Geld in ein Boot. Obwohl er nie zuvor gesegelt ist, geschweige denn segeln konnte.

Aber, den Bäumen sei Dank, auf Masten klettern, das konnte er wie kein anderer. Schwindelfrei, selbst bei schwerer See. Den deutschen Reinhold Messner nennen ihn manche. Nur Monate nachdem er sich aus Büchern das Segeln selbst beigebracht hat, ist er schon zu seinem ersten Coup aufgebrochen: allein um die Welt.

"Es hat mich gereizt, dass das noch keinem Deutschen gelungen war." Die deutschen Segler damals, sagt Erdmann heute, die kannten doch nur Nord- oder Ostsee. Erdmann lebt mittlerweile seit 40 Jahren vom, beim und durchs Segeln. Seine Reisen - ob Kap Horn oder Ostsee - bannt er in (Bestseller-)Bücher, Vorträge, Videos, Artikel.

Spontan ist er. Ehrgeizig. Beharrlich. Mutig, natürlich. Er wehrt ab. Er hält es eher mit Western-Regisseur Sergio Leone: "Mut ist die Angst, die man nicht sieht." Angst und Wachheit. Angst und Freude. Angst und Erfolg. Beides zwei Seiten ein und derselben Medaille.

"Unter Seglern war es nicht schick, sich zu seiner Angst zu bekennen. Aber Angst ist nicht nur was Negatives. Angst hält mich wach. Sie ist der Grund, warum ich mich freuen kann, wenn ich eine brenzlige Situation gemeistert habe." Als "zögerlich stark" beschreibt er, der Stürmen getrotzt hat, in die Otto Normalo selbst im Albtraum nicht geraten möchte, stark untertreibend sich selbst.

Heute, mit 65 Jahren, hat Wilfried Erdmann die Welt gesehen wie kaum ein anderer. 1968 mit 28 die erste Weltumsegelung. 18 Jahre danach der zweite Trip: Allein um die Welt, diesmal Non-Stop in 271 Tagen. Und wiederum 16 Jahre darauf, damals im besten Vorruhestandsalter mit 60 Jahren, wieder allein, wieder nonstop und noch einen draufgesetzt: gegen die vorherrschende Windrichtung, von Ost nach West.

343 Tage. Oft Hunderte Seemeilen kein Land in Sicht. Nur Wellen, mitunter zehn, zwölf Meter hoch, manche vielleicht auch 20. Schwer zu schätzen, denn er war mittendrin. Allein in seinem Boot. Im "Niemandsmeer", wie er den Wahnsinn in seinem Logbuch nennt.

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