Deutschlands größter Chrysler-Fan
Die Trennungsangst des verliebten Herrn Bellmann

Jürgen Bellmann ist wohl der größte Chrysler-Fan Deutschlands. Heute blickt der Gründer und Vorsitzende des „Chrysler-Freundeskreises Deutschland“ etwas bang nach Berlin, wo sich auf der Hauptversammlung von Daimler-Chrysler die Zukunft der US-Marke entscheidet. Für Bellmann eine Herzensangelegenheit.

UELSEN. Irgendwann anno 1998 hat sich Jürgen Bellmann in eine Amerikanerin verliebt. Da war er schon Mitte 50, aber die Neue wurde die Liebe seines Lebens. Sie heißt Chrysler.

Irgendwann anno 1998 hat sich Jürgen Schrempp in eine Amerikanerin verliebt. Sie hieß Chrysler. Er hat die Geliebte gekauft und mit daheim nach Stuttgart genommen.

Jürgen Bellmann hat sich 1998 auch einen Chrysler gekauft. Und einen zweiten, dritten, vierten, fünften. Seine Liebe zu Chrysler wuchs.

Jürgen Schrempp wurde seine neue Liebe bald zu hässlich. Zwei Jahre nach der Hochzeit schickte er Dr. Dieter Zetsche zu ihr. Dem gelang ein Lifting, aber es hielt nicht lange.

Wohl auch deshalb flüchtete Schrempp Mitte 2005 von Stuttgart auf seine Farm in Südafrika. Zetsche möchte Chrysler nun loswerden. Scheidung oder „ménage à trois“ – er prüfe „alle Optionen“, sagt Zetsche.

Deshalb blickt Jürgen Bellmann, Gründer und Vorsitzender des „Chrysler-Freundeskreises Deutschland“ und wohl größter Chrysler-Fan im Land, heute etwas bang nach Berlin. Dort erwartet Daimler-Chrysler-Chef Zetsche Tausende Aktionäre zur Hauptversammlung, und die Aktionäre erwarten von Zetsche, dass er ihnen bedeutet, was aus der einst als himmlisch vergötterten Ehe wird. Den meisten wäre eine rasche Scheidung von Chrysler am liebsten.

Jürgen Bellmann sitzt in seiner Küche zu Hause in Uelsen. Draußen lässt ein Halbwüchsiger einen Zweitakter aufheulen, dann ist die wochenendliche Ruhe wieder intakt, hier im 5 300-Seelen-Örtchen zwölf Kilometer vor der Grenze zu den Niederlanden. Der Uelsener an sich fährt, dem Stadtbild nach zu urteilen, meist Opel oder VW. Auf Bellmanns Stuhl liegt ein dickes Kissen, damit er höher sitzt. Er ist nicht mehr ganz so beweglich – auch eine Folge des Autounfalls, den er Anfang Dezember 1997 hatte. „Ein Jahr konnte ich fast nur liegen oder stehen“, sagt der 64-Jährige.

Es war der Beginn einer großen Liebe. Der Autonarr sah sich nach automobilen Alternativen um – und fand einen Chrysler Voyager mit seinen Schiebetüren. Praktisch war der, günstig und solide: „200 000 Kilometer hatte er runter, mit 550 000 habe ich ihn verkauft – für 1 600 Euro.“

Da hatte er sein Herz verloren. Und von nun an gehört Jürgen Bellmann zu einer ganz, ganz kleinen Minderheit in Deutschland: Chrysler-Fahrer. Ein einziger Chrysler ist auf den 230 Kilometern Anfahrt von Köln nach Uelsen zu entdecken, im Osterferienverkehr. 18 070 Chrysler hat Daimler 2006 hier zu Lande verkauft – Marktanteil: 0,5 Prozent.

Chrysler habe bei den Deutschen einfach einen zu schlechten Ruf, sagt Jürgen Bellmann – zu Unrecht! Man müsse nur ein paar Dinge beachten. So brauche ein Chrysler zusätzlich eine Ölkühlung fürs Getriebe, „denn die sind ja für den US-Markt gebaut“. Amerikaner führen nun mal geruhsamer als Deutsche. Und wer das Getriebeöl jährlich wechsele und die richtige Menge nachfülle – „100 Milliliter mehr oder weniger machen einen großen Unterschied“ –, der habe lange Freude an seinem Chrysler.

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