Die ARD schickt uns mit „Abenteuer 1900 – Leben im Gutshaus“ auf eine Zeitreise
ARD simuliert Gutshausleben des 19. Jahrhunderts

Kein Zuckerschlecken war das Leben einer Magd oder eines Knechts zur Gründerzeit. In der selben Brühe zu baden wie die anderen Diener oder das Plumpsklo der Gutsherren zu leeren, gehörte noch zum angenehmeren Alltag. Schlimmer war es wohl, Tag und Nacht zur Verfügung zu stehen, schön artig den Mund zu halten und jegliche Befehle der feinen Herrschaft ohne Murren zu erledigen – die 100-Stunden-Woche, in der einzig die Sonntagsmesse Erholung versprach.

FRANKFURT/MAIN. Die ARD hat nun 20 Freiwillige gefunden, die sich hundert Jahre zurück versetzen und in ein preußisches Herrenhaus bei Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern stecken ließen – in eine Zeit, geprägt von starren Standesregeln, ohne Strom, fließend Wasser oder Handy.

In 16 Folgen können die Zuschauer ab heute miterleben, wie sich in dem Gutshaus zwei Welten bilden – „oben“, in der Belle Etage der Herrschaften, und „unten“, beim Dienstpersonal, das im Keller haust. Um die Geschichte authentisch zu erzählen, hat Regisseur Volker Heise bewusst auf Schauspieler verzichtet. Die beiden Kamerateams filmen ganz normale Bürger – ohne Drehbuch, denn die Protagonisten sorgen selbst für das ein oder andere Drama.

Die besten Rollen im Zweiklassen-Theater hat ein Chirurgenehepaar mit ihren sechs Söhnen eingenommen, sie spielen die Gutsherrenfamilie. Auf Seiten der weniger Privilegierten versucht sich ein Realschullehrer als Diener, und die Geschäftsfrau Sarah Wiener, die drei Restaurants und einen Cateringservice besitzt, schlüpft in die Rolle der Mamsell. „Das Gesinde hatte vor mir mehr Respekt als vor dem Hausherrn“, erinnert sich die Chefin der unteren Etage. „Und einige haben mich bestimmt auch gehasst.“

Ihre Autorität bekommt auch Gymnasiastin Svenja zu spüren. Sie hat als Hausmädchen angeheuert, muss fremde Unterhosen von Hand waschen. In der Hierarchie genauso weit unten ist der Stallbursche Sebastian angesiedelt, der schon nach fünf Tagen mit Tränen in den Augen berichtet: „Es ist hart, Leute, das kann man sich nicht vorstellen.“

Masochistische Motive treiben die Protagonisten wohl kaum an, wieso nehmen sie ihre Rollen dennoch so ernst? „Man kann mittlerweile überall hinreisen, aber nicht in die Vergangenheit“ sagt Marianne Hege-Boro, die beim Vierteiler „Schwarzwaldhaus 1902“ die Bäuerin mimte. Durchschnittlich sechs Millionen Zuschauer verfolgten 2002 die Serie. Heise erhielt dafür den Adolf-Grimme-Preis. „Beim Schwarzwaldhaus hieß es Mensch gegen Natur, jetzt Schwein oder Sein“, sagte er dem „Stern“. Aber keine Sorge: Dumpfer Voyeurismus à la Dschungelcamp ist nicht zu erwarten, eher ein Stück zum Leben erweckte deutsche Geschichte.

Infos Die Dokumentar-Serie „Abenteuer 1900 – Leben im Gutshaus“ wird in 16 Folgen à 25 Minuten in der ARD ausgestrahlt. Um 18.50 Uhr beginnt dienstags bis freitags die Zeitreise.

Quelle: News Frankfurt

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