Aus aller Welt
Die Emilia Romagna stirbt vor Hitze

So schmal ist er normalerweise erst im August“, sagt der junge Bauer Luigi Bisi und deutet auf das Flussbett des Trebbia, der eigentlich in den Po mündet. Doch hier, wenige Kilometer außerhalb von Piacenza, fließt kein Wasser mehr in den Po. Mit den rostbraunen Farben am Boden gleicht die Landschaft eher einem Canyon in der Wüste als einer der ansonsten fruchtbarsten Regionen Italiens.

Die trockenen Kiesel knirschen unter den Schritten, durch die heiße Stille schwirrt eine Biene. Selbst das Unkraut, das im Flussbett gewachsen ist, lässt die Blätter hängen.

Der Po, längster Fluss Italiens und Lebensader für die Bauern zwischen Turin und Ferrara, schwindet seit Wochen dahin. Zwei Drittel der Zuläufe sind bereits ausgetrocknet. Zu wenig Schnee im Winter und extrem hohe Temperaturen von bis zu 40 Grad sind schuld daran, dass der Wasserstand an einigen Stellen schon jetzt um ein Drittel unter dem des Rekordsommers 2003 im Juni liegt. Die Erinnerung an dieses Hitzejahr lässt die italienischen Bauern schon jetzt das Schlimmste befürchten. Damals dauerte die Trockenheit fast fünf Monate und vernichtete einen großen Teil der Ernte.

Luigi Bisi bewirtschaftet mit seiner Familie in Rottofreno 150 Hektar mit Tomaten, Mais, Futterrüben, Melonen und Zucchini. Die Felder reichen direkt bis an den Po. Noch sind sie grün. Aber der Mittzwanziger in Sportschuhen, Jeans und Hemd, der auch Vorsitzender der Organisation der jungen Bauern des Landwirtschaftsverbands Coldiretti ist, fragt sich, wie es weitergehen soll: „Wenn es nicht bald regnet, haben wir ein ernstes Problem.“ Noch bis Ende Juli müssen die Bauern bewässern. Dann ist die Ernte vorbei. Bisi kann zwar noch Brunnen auf seinem Grundstück anzapfen. „Aber das ist teuer und für die Umwelt nicht ungefährlich, wenn das Grundwasser weiter sinkt.“

Auf der Fahrt nach Borretto, 70 Kilometer weiter flussabwärts, verschwinden allmählich die Hügel mit ihren Weinbergen. Hier dominieren nun viele Kleinbetriebe. Die Gegend ist bekannt für ihre tüchtigen Handwerker, bis nördlich von Parma wieder die Landwirtschaft überwiegt.

In Borretto schließlich macht sich auch Zelindo Castellani Sorgen um „meinen Fluss“. Der sportliche Mann mit den zurückgekämmten grauen Haaren und der Sonnenbrille ist verantwortlich für das Konsortium, das das Wasser aus dem Po pumpt und den Bauern in Reggio, Modena und Montava zuteilt. „Wir haben noch einen Meter Wasser über den Pumpen“, sagt Castellani und zeigt auf den Wassersog unter der schmalen Brücke, die zur Pumpstation führt. In der Ferne stehen die Brückenpfeiler in Ufernähe längst auf trockenem Grund.

Seite 1:

Die Emilia Romagna stirbt vor Hitze

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%