Die Gastfreundschaft Senegals
Freude tanken

Der Senegal integriert Menschen verschiedener Kulturen und Sprachen und fasziniert durch seine Gastfreundschaft

DAKAR. Cheikh Bethio hat einen anstrengenden Tag hinter sich. Der 24-jährige Senegalese hat wie jeden Tag versucht, auf den Straßen von Dakar an wohlhabende Einwohner und Touristen Gürtel und Uhren zu verkaufen. Er hat keine Schuhe an, ihm tun die Füße weh. Es ist der 31. Dezember, und er hat seiner Mutter und seiner Frau versprochen, Geld nach Hause zu bringen, damit sie für den Silvesterabend ein Schaf kaufen können. Sie sind zwar wie die meisten Senegalesen Muslime, aber „wenn es was zu feiern gibt, dann sind wir immer dabei“.

Viel Erfolg hat er nicht gehabt. Gerade mal 20 000 CFA hält er in den Händen, das sind ungefähr 30 Euro. Zu schade, dass er das deutsche Paar, das er gerade durch das mit vielen Läden durchzogene französische Viertel geführt hatte, nicht überzeugen konnte, im Laden seines Cousins zu kaufen. Das hätte ihm zumindest noch eine Kommission eingebracht.

Aber er bleibt freundlich, in bestem Französisch macht er einen letzten Versuch: „Vielleicht beim nächsten Mal.“ Das Paar lächelt verständnisvoll und zieht von dannen. Wer schon einmal in Tunesien oder Ägypten war, der ist erstaunt, dass in der früheren französischen Kolonie Verkäufer auch unter extremsten Bedingungen freundlich bleiben und Abweisungen akzeptieren.

Der Handel ist eine wichtige wirtschaftliche Säule des bitterarmen Landes mit seinen elf Millionen Einwohnern, von denen fast zwei Drittel Analphabeten und Bauern sind.

In der Hauptstadt Dakar beherrschen viele der attraktiven, hochgewachsenen Frauen und Männer ihr Metier perfekt, kokettieren mit den Touristen, lieben es, mit ihnen zu handeln. „Muss der Händler wie am 31. Dezember verkaufen, um abends etwas Gutes auf dem Tisch zu haben, akzeptiert er eben meist jeden Preis“, berichtet die Französin Véronique Ahyi, die seit 20 Jahren im Senegal lebt und dort eine Kommunikationsagentur führt.

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