Die "Katrina"-Offenbarung
Das hässliche Amerika

Im Gedächtnis vieler Amerikaner bleibt der Hurrikan „Katrina“ die größte Blamage in der Amtszeit von US-Präsident George W. Bush. Die Naturkatastrophe enthüllte aber auch die hässliche Seite Amerikas: Armut, Rassismus und Gewalt wurden weltweit sichtbar ins Scheinwerferlicht getaucht.

HB WASHINGTON/NEW ORLEANS. Während die schrecklichen Bilder vom zigtausendfachem Elend, von hilflosen Alten, Kranken und Kindern im Wasser oder auf Hausdächern im überfluteten New Orleans um die Welt gingen, gab es auch das Foto von Bush.

Wie er aus dem Fenster seiner „Air Force One“ auf das Katastrophengebiet hinab schaut und Sätze sagt wie: „Ich denke, kein Mensch konnte das Brechen der Deiche voraussehen.“ Dabei stand in jedem besseren New-Orleans-Reiseführer etwas über die Furcht der Jazz-Metropole vor einem Jahrhundert-Sturm.

Die US-Bürger bekamen Bush als „König ohne Kleider“ zu sehen, sein Image als entschlossener Macher bekam arge Kratzer. Die Amerikaner waren geschockt, die Popularität des Präsidenten ging in den Keller. Bush erlebte in der Folge die dunkelsten Monate seiner Präsidentschaft.

„Katrina war ein nationales Versagen, ... ein Sammelsurium aus Fehlern, Versäumnissen und Absurditäten“, hieß es schonungslos in einem Kongress- Untersuchungsbericht. „Eine frühere Einmischung des Präsidenten hätte die Hilfe beschleunigt“, lautete die relativ zaghafte Kritik der Kommission, die ausschließlich republikanisch besetzt war.

Rassismus kommt an die Öffentlichkeit

Die Bilder aus dem überwiegend von Schwarzen bewohnten New Orleans zeigten der Welt ein Amerika, wie es in den Hollywood-Filmen selten vorkommt. Denn in den reichen USA leben über 37 Mill. Menschen unter der offiziellen Armutsschwelle von 22 509 US-Dollar (17 537 Euro) für eine vierköpfige Familie.

In keiner Bevölkerungsgruppe ist der Anteil der Armen so groß wie unter den Schwarzen: Fast jeder vierte von ihnen zählt dazu. Und als in der Extremsituation von New Orleans einige Läden geplündert wurden, zeigte sich eine andere Fratze der US-Gesellschaft, der Rassismus.

Für weiße Flüchtlinge, die mit Wasserflaschen und Plastiktüten aus aufgebrochenen Supermärkten kamen, gab es in manchen Medien eher verständnisvolle Worte. Waren es schwarze Amerikaner, kam schnell das Wort „Plünderer“ auf. Am übelsten war die – wenn auch untypische - Entgleisung eines Fernsehreportes, der meinte, die Leute wühlten in Mülleimern nach Essbarem „wie die Tiere“.

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