«Die letzten Stunden sind nahe»
Eltern von Terri Schiavo werfen Behörden «Justizmord» vor

Die Eltern der im Sterben liegenden Komapatientin Terri Schiavo sind erneut vor einem US-Bundesgericht unterlegen. Dennoch setzen sie ihren Kampf für eine künstliche Ernährung ihrer Tochter fort.

HB BERLIN. Verzweifelt kämpfen Bob und Mary Schindler um das Leben ihrer Tochter Terri Schiavo, die am achten Tag nach Beendigung der künstlichen Ernährung immer schwächer wird. Sie forderten den Gouverneur von Florida, Jeb Bush, auf, abermals in den Fall einzugreifen. Was mit ihrer Tochter geschehe, sei ein «Justizmord», werden sie von CNN zitiert. «Gouverneur Bush, Sie haben die Macht, meine Tochter zu retten», flehte Mary Schindler. «Bitte, bitte tun Sie etwas.» Ihr Mann warf Bush vor, nichts für die Familie getan zu haben.

Nach zwei erneuten Niederlagen vor Bundesgerichten am Freitag hoffen die Eltern nun, dass der staatliche Bezirksrichter George Greer in Pinellas County (Florida) ihren Dringlichkeitsantrag annimmt.

Die Schindlers argumentierten damit, dass der Zustand ihrer Tochter sich noch vor kurzem erheblich verbessert habe. Terri Schiavo habe versucht, die Worte zu formulieren: «Ich will leben.» Greer will bis Samstagmittag (Ortszeit) eine Entscheidung verkünden. Rechtsexperten gingen aber auch in diesem Fall fast sicher von einem Scheitern der Eltern aus. Anwälte von Terri Schiavos Ehemann Michael, der seine Frau sterben lassen will, nannten die Begründung der Schindlers für den neuerlichen Vorstoß «absurd».

Bundesbezirksrichter James Whittemore in Tampa (Florida) hatte am Freitagmorgen gegen ein mit angeblich neuen medizinischen Erkenntnissen begründetes Ersuchen der Eltern entschieden, die 41-jährige Terri zumindest vorerst wieder zu ernähren. Ein anschließend beim Bundesberufungsgericht in Atlanta (Georgia) eingereichter Widerspruch wurde dann in der Nacht zu Samstag ebenfalls zurückgewiesen.

Freitag war bereits der achte Tag für die Kranke ohne jede Nahrung. Ärzte haben geschätzt, dass sie sieben bis 14 Tage überleben könnte. Bob Schindler glaubt aber, dass Terris Tod jederzeit eintreten könnte.

«Sie wird ständig schwächer. Die letzten Stunden unserer Tochter sind nahe», sagte der sichtlich erschöpfte Vater vor dem Hospiz in Clearwater, in dem Terri Schiavo betreut wird. Die Folgen des Nahrungs- und Flüssigkeitsentzugs zeigten sich immer stärker.

Der am Freitag von den Schindlers erneut eingeschaltete staatliche Bezirksrichter George Greer in Florida ist derselbe, der den Nahrungsstopp für Terri Schiavo am Freitag vergangener Woche angeordnet hatte. Wegen massiver Drohungen wird er inzwischen rund um die Uhr von der Polizei geschützt.

Erst am Donnerstag war auch Floridas Gouverneur Jeb Bush bei ihm mit einem Vorstoß gescheitert, die Kranke, deren Vormund der Ehemann ist, in staatliche Obhut zu nehmen. Begründet hatte Bush dies unter anderem mit der Einschätzung eines Neurologen, dass Terri Schiavos Gesundheitszustand besser sei als von den meisten Ärzten angenommen und dass die Patientin daher neu untersucht werden müsse.

Ähnlich argumentierten die Eltern auch am Freitag in ihrem neuen Dringlichkeitsantrag bei Greer. Sie ergänzten dies aber um einen angeblichen konkreten Vorfall im Krankenzimmer, über den Schindler-Anwältin Barbara Weller berichtet hat. Nach ihren Angaben bat sie die Kranke vor der Entfernung der Magensonde am Freitag vergangener Worte, doch die Worte zu artikulieren: «Ich will leben.» Terri Schiavo habe das versucht - mit lang gezogenen Tönen, die dann zu einer Art Schrei angewachsen seien, so laut, dass ein vor dem Krankenzimmer im Hospiz in Clearwater Wache stehender Polizist erschreckt reagiert habe.

Nach Einschätzung der meisten Ärzte ist Terri Schiavo aber seit nunmehr 15 Jahren so massiv hirngeschädigt, dass es sich bei den Lauten, die sie manchmal von sich gibt, ebenso um reine Reflexe handelt wie bei ihrem häufigen Augenblinken oder Mundbewegungen, die wie ein Lächeln aussehen.

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